Anliegen

Die Einheit der Christen

Wir laden die Konfessionen ein

Jesus Christus: Ich bete darum, dass sie alle eins seien,
so wie du in mir bist, Vater, und ich in dir.
So wie wir sollen auch sie in uns eins sein,
damit die Welt glaubt, dass du mich gesandt hast.

Johannes 17, 21

Pilgern bedeutet Beten mit den Füßen.

Von Gabriele

Dass die Einheit der Kirche nicht besteht, dass die Christenheit in Konfessionen so zersplittert ist, das ist für uns einfach schrecklich. Es mag zwar historisch gewachsen und daher ein wenig nachvollziehbar sein. Aber ist sie noch zeitgemäß in einer Zeit, in der die Völker immer mehr zusammenwachsen? Eine Zeit, in der weltliche Organisationen aktiv auf Frieden und Einigkeit hinarbeiten? Fast wirkt es, als ob nur noch die Religionen für Konfliktstoff sorgen. Dazu Ex-Kanzler Helmut Schmidt: „Fast alle Religionen geben sich heutzutage friedlich gesinnt. Aber in der Praxis sind viele ihrer Führer und ihrer Priester – und ebenso viele ihrer Anhänger – possessiv, expansiv und sogar aggressiv.“

Die christliche Kirche sollte nach unserem Verständnis ein Vorbild und ein Ort in Gott für friedliche Methoden der Überwindung von Gegensätzen sein, „damit die Welt glaubt, dass Jesus vom Vater gesandt wurde“. Das ist nicht sichtbar und schafft vor allem für Neuchristen in gemischt-konfessionellen Gebieten eine große Verunsicherung und hohe Eingangshürden. Sie verstehen es schlicht oft nicht. Und wer hat als Neuchrist schon Lust daran, sich mit den Unterschieden auseinanderzusetzen, wenn man sich doch meist nach friedlicher Gemeinschaft sehnt? Doch die Christenheit konnte bisher die Gegensätze zwischen den Konfessionen nicht überwinden. Das ist für uns sehr, sehr traurig und – in gewisser Weise unglaubwürdig.

Es gibt in unserer Welt so viele Probleme, die eine geschlossene Christenheit mit immerhin fast 1/3 der Menschheit auf den von Jesu Christi im neuen Testament beschriebenen Heilsweg führen kann, vor allem aus

  • Armut / Hunger
  • Krieg
  • Habgier und
  • Angst.

Diese Einheit, diese Geschlossenheit im Sein und Tun wäre ein deutliches  Zeichen glaubhafter Kirche.

Jetzt wächst zusammen, was zusammen gehört! Wir sind eine Kirche!

Wir wollen diesen Zustand nicht einfach hinnehmen und zur Tagesordnung übergehen, es uns  in unserer Glaubens-Nische bequem machen. Wir denken, viel zu viele Menschen haben sich an diesen Zustand gewöhnt, der doch jedem Bibelwort widerspricht, das wir aus dem Neuen Testament kennen. Gleichzeitig wollen wir eben viel beten und christliche und ganz friedliche Methoden anwenden, um auf unsere Weise auf diesen Umstand aufmerksam zu machen. Durch die Bitte um Inspiration des Geistes und die innige Begleitung durch Jesus Christus, die jeder Pilger kennt, wollen wir  neue Perspektiven und Horizonte kennenzulernen. Wir wollen auf dem Weg einen Weg gezeigt bekommen, von dem wir anschließend berichten können.

Die Idee zu diesem gemeinsamen Pilgerreise entstand 2009, als ich diesen Weg das erste Mal allein ging und beim Überschreiten der ehemaligen deutsch-deutschen Grenze über die Brücke der Einheit in Vacha den eine Beispielwirkung erkannte. „Wir sind das Volk!“ hieß es vor der deutschen Wiedervereinigung. „Wir sind Kirche!“, eine solche Gruppierung gibt es inzwischen auch schon.

Doch warum Pilgern? Der bekannte brasilianische Schriftsteller und Jakobspilger Paulo Coelho sagte einmal, Pilgern sei einer der objektivesten Wege zur Erleuchtung. Das ist auch meine Erfahrung. Man kann z.B. sehr schön das Thema „Umkehr“ beim Pilgern beobachten. Wenn ich mich verirrt und verlaufen habe, dann muss ich wieder zurück zu dem Ort, wo ich das letzte Mal einen Pfeil gesehen habe und von dort aus weitergehen. Das bedeutet für mich Erkennen (Einsicht und Reue ), Entscheidung zum Umdrehen (Umkehr), zusätzliche Last (Schuld) und Beschwernis durch zusätzliche Kilometer und spätere Einkehr (Sühne, zeitliche Sündenstrafen).  Wenn ich auf dem Camino mich weigere weiter zu gehen (Eigensinn), wenn es mal anstrengend ist (z.B. Berg/Hitze), komme ich nicht an. Müdigkeit (Depression) und Hunger (Sehnsucht) und das Ziel Santiago (Sinn) werden mich wieder motivieren, den Weg trotz der Anstrengung fortzusetzen. Etwas Anderes ist sinnlos. Man kann beim Pilgern nicht einfach stehen bleiben oder etwas aussitzen oder sich verweigern: Es geht stetig nach eigenen Kräften voran. Bleiben darf man nur eine Nacht.

Die Bilder, Worte, Visionen, die unterwegs vielleicht als sogenannte Privatoffenbarung in unseren Seelen ankommen, werden  beim Pilgern jedoch immer wieder begleitet durch äußere Zeichen, Situationen und Begegnungen am Weg, die das Innere äußerlich untermalen und bestätigen. Pilgern bedeutet zudem, Gott die vielfältigsten Möglichkeit zu geben, Engel/Boten und Zeichen unterschiedlichster Art unseren Weg kreuzen zu lassen. Wir begeben uns unserer üblichen Sichtweisen, (Denk-)Gewohnheiten, Stärken und Sicherheiten, Wir machen uns schwach und lenkbar, damit er, der wahre Starke, uns führen kann.

Schon die Erstaunlichkeit, dass Er diese Gruppe als wahre, gleichgewichtige ökumenische Gemeinschaft (katholisch, evangelisch, russisch-orthodox, neuapostolisch) formte, mag eines dieser Zeichen sein. Wir alle sind religiöse Laien, nichts Besonderes, eher Nichtse als Jemande. Wir haben nichts zu verlieren, keinen Posten, keine Würde, keine Kredibilität, kein Image. Das mag uns die Freiheit geben, uns angstfrei einfach auf das einzulassen, was kommt, ohne schon durch ein theoretisches Korsett auf ein Ergebnis vorgeformt zu sein. Ebenso sprechen wir mit Bernadette Soubirou: „Wir wollen Sie nicht überzeugen, wir wollen es Ihnen nur sagen.“

Dass die Gruppe nur aus Frauen bestand, mag ein ebensolches Zeichen sein, dass eben auch die Fähigkeit der Frauen der natürlichen und aktiven Förderung des sozialen Zusammenhaltes jetzt gefragt ist. Das war ebenfalls nicht geplant. Vielleicht war die erste Spaltung in der Christenheit schon die, dass die Frauen in den Paulinischen Briefen so abgeschoben und weitestgehend mundtot gemacht wurden.

Schon länger war mir das Kreuz aufgefallen AUCH als Symbol einer Vereinigung männlicher und weiblicher Eigenschaften. Vor allem fiel mir das auf durch das Verhalten von Kindern, aber auch Verhalten von Männern und Frauen im Beruf. Jeder, der mit Kindern zu tun hat, wird es oft erleben, dass die Jungs häufig feststellen wollen, wer von ihnen der Größte, Stärkste, Schnellste, Beste ist. Es ist das: Was unterscheidet uns? Wo stehe ich in der Hierarchie? Es ist die Auslotung einer vertikalen Verteilung untereinander, die senkrechte Linie. Unter Mädchen geht es häufiger darum: Wer ist mir/dir am nächsten? Wer ist meine/deine beste Freundin? Es ist das: Was verbindet uns? Es ist die Auslotung einer horizontalen Verteilung untereinander, die waagerechte Linie. Nur zusammen ergeben sie das Kreuz. Was die Konfessionen unterscheidet, das ist vielfach formuliert, trennt und schafft Gräben. Das muss nicht vertieft werden.  Was uns vereint, was Gegensätze friedlich eint bzw. beseitigt, darauf kam es uns an. Das wollen wir erfahren.

Ein zweites Anliegen war es, gleichzeitig mit dem Leben nach dem höchsten Gesetz weiter zu kommen:

»Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen,
von ganzer Seele, von allen Kräften und von ganzem Gemüt,
und deinen Nächsten wie dich selbst«

Wir wollten uns – je nach persönlicher Disposition – auf die Einheit mit Gott, mit unserem Nächsten und mit uns selbst einlassen und auf diesem Weg persönliche Erfahrung damit machen, was Einheit bedeutet.

In Eurem Herzen herrsche der Friede Christi;
dazu seid ihr berufen als Glieder des einen Leibes. Seid dankbar!

Kolosser 3,15

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