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30. Mai 2011: Von Dorndorf über Vacha nach Geisa/Point Alpha

5 Jun

Von Gabriele

Als Morgengebet gibt es heute ein  Gedicht eines südafrikanischen Autors über das langsame Gehen als Vorbereitung für unsere heutige Überquerung der Brücke der Einheit:

Lass mich langsamer gehen, Herr,
entlaste das eilige Schlagen meines Herzens
durch das Stillwerden meiner Seele.

Lass meine hastigen Schritte stetiger werden
mit dem Blick auf die weite Zeit der Ewigkeit.

Gib mir inmitten der Verwirrung des Tages die Ruhe der ewigen Berge.

Löse die Anspannung meiner Nerven und Muskeln
durch die sanfte Musik der singenden Wasser,
die in meiner Erinnerung lebendig sind.

Lass mich die Zauberkraft des Schlafes erkennen, die mich erneuert.

Lehre mich die Kunst des freien Augenblicks.
Lass mich langsamer gehen, um eine Blume zu sehen,
ein paar Worte mit einem Freund zu wechseln,
einen Hund zu streicheln, ein paar Zeilen in einem Buch zu lesen.

Lass mich langsamer gehen, Herr, und gib mir den Wunsch,
meine Wurzeln tief in den ewigen Grund zu senken,
damit ich emporwachse zu meiner wahren Bestimmung. Amen.“

Heute stehen alle zeitig um 7 Uhr auf. Unser Großraumtaxi wird um 8 Uhr vor der Tür stehen, bis dahin muss jeder seinen Rucksack gepackt haben und abreisefertig vor der Tür stehen. Kaffee wird schnell gemacht, damit jeder wach werden kann. Heute klappt es, keiner will das Taxi warten lassen. Gefrühstückt wird heute nicht in der Herberge, sondern in Vacha auf dem Marktplatz. Dort ist eine Bäckerei mit ein paar Tischchen vor der Tür. Das ist relativ günstig und zügig und kein Abwasch für die Pilger. Unser Taxifahrer bringt uns direkt zum Marktplatz. Zum Glück werden die Tische vor der Bäckerei gerade frei und so können wir bei schönstem Sonnenschein jeder frühstücken, was sein Herz begehrt. Die Bandbreite reichte von Pizza über Knusperstangen zu Sahnetorte und Heiße Schokolade. Wir fragten noch in der Bäckerei, ob wir unsere Rucksäcke ein wenig dort lassen könnten, bis wir von der Brücke der Einheit zurück wären. Man verwies uns auf das Rathaus schräg gegenüber.

Vacha Markt: Frühstück ist hier Freustück

Wir gingen auf die Tür des Rathauses zu, um dort jemanden zu suchen. Dort sprach uns eine Frau an, die sich gerade vor der Tür mit einer Anderen unterhielt. Ja, wir könnten die Rucksäcke abgeben, sie führte uns zum Sekretariat. Auf dem Weg dorthin zeigte sie uns in der Eingangshalle die Wandbilder und wies besonders auf eines, von dem Sie sagte, es sei während der DDR-Zeit verdeckt gewesen:

Dem Mutigen ist kein Weg verschlossen - vor der Wende war der Spruch verhängt

OK, das durfte natürlich in dieser Zeit nicht sein. Das damalige Feindesland war nur einige Meter entfernt, eine solche Aufforderung konnte nicht stehen gelassen werden. In Vacha beginnt der Fränkische Jakobsweg, in Vacha lebte auch Hermann Künig von Vach, ein Servitenmönch. Er hat Ende des 15. Jahrhunderts den ersten deutschen Pilgerführer verfassT: Die Straß zu Sankt Jakob. Auf diesen Menschen traf der Spruch bestimmt zu.

Wir durften unsere Rucksäcke im Sitzungssaal abstellen, danach wurde die Toilette frequentiert. Ich weiß nicht, warum, aber es dauerte und dauerte. Irgendwie war auch Streit entstanden. Äußerlich erleichtert aber innerlich in Aufruhr verließen einige das Rathaus. Auf dem Weg über den Marktplatz eskalierte der Konflikt. Oh nee, dabei waren wir gerade unterwegs zur Brücke der Einheit, um uns dort über den Weg zur Einheit inspirieren zu lassen. Aber vielleicht braucht man erst Uneinheit, um diesen Weg zu entdecken. Die Brücke der Einheit verbindet – die Werra  mit 11 Bögen überspannend – das thüringische Vacha mit dem hessischen Phillipstal. Die uralte Handelsstraße Via Regia führte hinüber, sie ist seit 1186 erwähnt. Seit der deutsch-deutschen Wiedervereinigung am 3.10.1990 ist sie als Brücke der Einheit bekannt. Hier wollen wir als geistige Übung eine Gehmeditation durchführen.

Brücke der Einheit zwischen Vacha und Phillipstal

Wir laufen zunächst über die Brücke, um dann wieder auf Vacha zu – mit dem Kirchturm im Blick – zurückzulaufen. Auf der anderen Seite treffen wir auf das Haus auf der Grenze. In diesem Haus war während der deutschen Teilung nur die Westseite bewohnt, in der Ostseite durfte niemand wohnen. Die Grenze ging direkt durch das Haus. Auch ein Symbol für die Kirchenspaltung – eine Grenze geht direkt durch das Haus Gottes.

Bild einfügen

Das Haus auf der Grenze

Um uns auf die Gehmeditation auf der Brücke der Einheit vorzubereiten und um Inspiration für die „Brücke zur Einheit“ für die Christenheit zu bitten, beteten wir gemeinsam ein Vaterunser und sangen ein Lied zum Heiligen Geist „Atme in mir, Du Heiliger Geist“. Dann gingen wir eine nach der anderen los über die Brücke, das geteilte Haus hinter uns lassend.

Von Renate

In Vacha sind wir ganz langsam und besinnlich über die „Brücke der Einheit “ gelaufen. Dies war  für mich ein erhabenes ein verbindendes Gefühl. Es war wieder da „Ich bin ein Teil der gesamten Schöpfung“.

Weiter von Gabriele

Das habe ich  erlebt: Zunächst fiel mir ein Schwarm von weißen Vögeln auf, die in mit vielen Kurven relativ schnell durch die Häuser flogen. Sie wirkten ohne Hierarchie, es gab keinen Anführer. Es war, als ob eine innere Kraft, eine innere Verständigung sie als Gruppe zusammenhielt, die Flugrichtung vorgab und vor Kollisionen schützte. Ein interessantes Bild.

Auf der Brücke der Einheit zur Einheit der Kirche

Auf der Brücke der Einheit zur Einheit der Kirche - das Dreifaltigkeitssymbol zur Anschaulichkeit per Computer eingefügt - am Himmel wieder ein Kreuz

Als nächstes habe ich eine innere Wahrnehmung. Vor mir steht das Dreifaltigkeitssymbol, die drei ineinander übergehenden Kreise,  in der Luft und ich soll es einatmen, damit ich es ausatmen kann. Das tue ich dann auch eine Weile und dann kommt die Erkenntnis in mir: Jeder, der zur Einheit beitragen will, ist gehalten, in sich die Einheit mit Gott herzustellen, damit er im Außen auch die Einheit ermöglicht. Wir können es nicht allein. Indem wir Gott verinnerlichen durch Bereitschaft zur Einheit mit ihm, wirkt er Einheit zwischen uns. Einheit beginnt mit und in uns selbst. Mit ihm und in ihm und durch ihn. Es heißt, der Camino beginnt an der eigenen Haustür. Die Einheit beginnt in und bei uns selbst. Nur dort sind wir zuständig.

Johannes 17, 21 – 23:

Alle sollen eins sein: Wie du, Vater, in mir bist und ich in dir bin, sollen auch sie in uns sein, damit die Welt glaubt, dass du mich gesandt hast.  Und ich habe ihnen die Herrlichkeit gegeben, die du mir gegeben hast; denn sie sollen eins sein, wie wir eins sind, ich in ihnen und du in mir. So sollen sie vollendet sein in der Einheit, damit die Welt erkennt, dass du mich gesandt hast und die Meinen ebenso geliebt hast wie mich.

Dann kommen Worte: „Die Einheit ist der Schlüssel. Jeder Tag, an dem sich die Kirche nicht eint, ist ein verlorener Tag….verlorener Tag….verlorener Tag.“ In diesem Moment fliegt ein schwarzer Vogel vor mir über die Brücke und in mir entsteht die Assoziation: Solange die Kirche nicht eins ist, darf die dunkle Kraft durch die Lande streifen. Wir können unseren Beitrag dazu leisten, es zu beenden.

Mt 5,13 "Ihr seid das Salz der Erde" - das weiße im Hintergrund ist der Salzberg

Mt 5,13 "Ihr seid das Salz der Erde" - das Weiße im Hintergrund ist der Salzberg

Als nächstes fällt mein Blick nach rechts und ich sehe in der Entfernung einen hohen Salzberg. Es kommen die Worte: „IHR seid das Salz der Erde“.

Dann fällt mein Blick nach links und ich sehe über der Werra die strahlende Sonne: „IHR seid das Licht der Welt“

Mt 5,14 "Ihr seid das Licht der Welt"

Mt 5,14 "Ihr seid das Licht der Welt" - im Kreuz

Wenn wir Christen – die Bergpredigt im Alltag lebend – alle als Salz der Erde und das Licht der Welt wiedervereint in einer Richtung wirken als ca. 2 Milliarden Menschen auf der Welt und damit ca. 1/3 der Menschheit! Gott wahrhaftig in uns und wir in ihm – ja, dann kann sich unsere Erde gewaltig verändern und Gottes Reich Wirklichkeit werden.

Ich bitte nochmals: „Atme in mir, Du Heiliger Geist, damit ich Einheit spüre!“ Und dann gibt es wieder neue Worte: „Einheit mit den Elementen Feuer, Wasser, Erde, Luft! Einheit mit der Schöpfung, Einheit unter den Menschen – Die Liebe ist weit!“ Das fühlt sich gut an, erstrebenswert! Ja, alles ist Eins. Am Ende der Brücke angekommen bekreuzige ich mich und komme dabei zu einem Satz, den ich irgendwo her kenne: „Mögen Himmel und Erde und alle meine Nächsten auf dieser Erde sich hier in meinem Herzen in Liebe vereinen.“ Mein Herz geht auf und glüht.

Der „weise“ Pavillon neben der Brücke

Wir treffen uns nach und nach in einem kleinen Pavillon neben der Brücke, warten, bis auch die letzte da ist und erzählen von unseren Erlebnissen. Das Erstaunliche: In dem Pavillon gibt es neben diversen Handynummern und anderen Grafittis zwei Sprüche, die sehr gut für die zwei Wege stehen, die den Christen (und auch uns auf dem Weg hier) zur Auswahl stehen. Zum einen:

Vom Richten....in ganz moderner Sprache

Wir können einander beurteilen: Du siehst das und das falsch und daher kann ich mich nicht mit dir vereinen bzw. vertragen und versöhnen. Wir können uns in theologische Diskussionen und Lehrmeinungen verfangen über unterschiedliche Auffassungen, unterschiedliche Sicht der Sakramente. Wir können ringen um Worte und Vereinbarungen, bei dem jedes einzige Wort auf die Goldwaage gelegt wird. Hier steht allerdings gleich, was man davon halten kann. Oder wir können den Weg wählen, den Jesus uns als das höchste Gebot genannt hat:

Die Alternative....ebenfalls auf neudeutsch

Ich muss ähnlich lachen wie beim Pumpälz gestern. Dieser Weg, wenn man auf die kleinen Dinge achtet, hat eine ganz eigene Weisheit… Das einzige Problem, welches entsteht, ist: Die Zeit  verrinnt unaufhörlich, weil einzelne sich von der Gruppe absondern müssen und wir nicht zum Ende kommen. Wir müssen heute auch noch loslaufen. Es ist schon halb elf und wir haben noch ca. 25 km zu laufen, die Sonne scheint und es wird gerade richtig heiß.

Ach, so meinst Du das auch mit der Wiedervereinigung, lieber Gott? Ja, die Zeit verrinnt und verrinnt wegen der Absonderungen und es geht und geht nicht weiter… Stimmt schon, danke für den Hinweis.

Also mal einen Zahn zulegen, ab zum Rathaus und die Rucksäcke geholt. Ich schicke die anderen in die Kirche am Friedhof, das ist eine alte Klosterkirche des Servitenordens. Selbst flitze ich schnell zur Buchhandlung, um uns für unsere Pilgerpässe die Stempel von Vacha zu holen. Gut, dass ich dorthin ging! In der Buchhandlung ist der Schlüssel für diese Kirche geparkt. Ich nehme ihn mit, damit wir sie besichtigen und uns dort von Anina verabschieden können, die uns nun verlassen muss. Wir beten noch zusammen in der Kirche. Anina bringt uns als Andenken ein Lobpreis-Lied aus Afrika bei. Wir singen zusammen, umarmen sie, dann nehmen wir voneinander Abschied. Sie geht zum Bus, der sie zum nächsten Bahnhof bringt. Schade, dass sie nicht bleiben kann! Schnell geht es für mich wieder zurück zur Buchhandlung, den Schlüssel wieder abgeben und meinen Rucksack, der als Pfand dort blieb, wieder schultern. Endlich, es ist halb zwölf, verlassen wir Vacha auf dem Jakobsweg. Ein wolkenloser Himmel ist über uns, ein wundervoller Weg liegt vor uns. Es geht weitab der Straße durch die Felder, linkerhand ein Berg, rechterhand ein langgestrecktes Tal.

Endlich auf dem Jakobsweg - spanische Temperaturen haben wir auch!

Endlich auf dem Jakobsweg - spanische Temperaturen haben wir auch!

Wir durchqueren Sünna und Mosa, dann erreichen wir nach ca. 10 km einen kombinierten Wander- und Radweg. Es sind über dreißig Grad. Auf dem Radweg finden wir ein Hinweisschild auf eine Gaststätte. Wir hoffen auf ein schönes Kaltgetränk und finden so nach Mieswarz. Doch eine offene Gaststätte finden wir nicht, stattdessen eine Bushaltestelle. Renate ist schon sehr erschossen und entschließt sich für heute, unsere gestrige Lösung noch einmal zu probieren. Wir lassen uns einen Taxidienst in Geisa geben, dem nächsten größeren Ort. Taxiruf gibt es, aber leider kein Taxi. In meinem Handy habe ich noch die Rufnummer von gestern, der Taxidienst aus Vacha. Der kennt uns noch und schickt ein Taxi nach Mieswarz. Monika entschließt sich auch, mit dem Taxi mitzufahren. Lesya und ich freuen uns, dass wir unsere Rucksäcke mitgeben können. Wir packen meinen kleinen Rucksack mit Wasser und der restlichen Verpflegung voll und machen uns wieder auf den Weg.

Mohnwiese

Die Mohnwiesen malen rote Flecken in die Landschaft

Ohne Rucksack läuft es sich wunderbar. Bald biegen wir ab nach Otzbach und laufen am Waldrand entlang einen fußfreundlichen Weg in Richtung Bremen. Es ist so ein wunderschöner Tag. Auf den Feldern blühen die Korn- und die Mohnblumen, ein leichter Wind wiegt sie, ein herrlicher Blick in dieses sanfte Tal. Was für eine traumhafte Erde wir haben, das erfahren wir hier immer wieder. Des Pilgers Lohn! Diesen Wegabschnitt hätte ich auf keinen Fall missen wollen. Von meinem letzten Mal weiß ich, dass der Jakobsweg ab hier wieder eine riesige Schleife dreht, um auch das letzte Steinkreuz noch stolz vorzuzeigen. Davor hatte mich hier vor zwei Jahren schon jemand gewarnt, daher steigen wir vorfristig ab in Richtung Bremen und weil es dann auch schon 16 Uhr ist, gehen wir trotz Jakobuskirche und Labyrinth nicht mehr nach Bremen hinein, sondern an der Landstraße entlang nach Geisa. Es genügt ja für uns nicht, nur nach Geisa zu kommen. Den Aufstieg nach Point Alpha haben wir ja auch noch auf dem Zettel für heute.

Lesya und ich haben es für den Rucksacktransport übernommen, den heutigen Einkauf zu erledigen. Zum Glück finden wir am Weg einen großen Supermarkt und davor sogar eine mobile Hähnchenbraterei. Damit ist geklärt, was es heute gibt: Es bestand ein großer Appetit auf Obst mit Joghurt bei der Hitze, aber auch ein halber Broiler ist zur Stärkung des Pilgers willkommen. Wir suchen uns wieder die Markierungen und finden hinaus, ohne uns auch Geisa näher angesehen zu haben. Ich kenne Geisa schon, diesmal ist Point Alpha dran. Darauf bin ich schon sehr gespannt und freue mich. Aber hiervor hat in diesem Falle der liebe Gott eine mächtige Mühe gesetzt, denn es geht sehr steil den Berg hinauf. Mittendrin halten wir an, weil uns ganz schön die Pumpe geht. Es ist immer noch ordentlich heiß!

Endlich kommen wir an dem komplett eingezäunten Gelände auf der Bergkuppe an. Point Alpha war in der Zeit des kalten Krieges ein Beobachtungsstützpunkt der US-Alliierten, auf dem Grenzüberwachung und Abhören von Funk stattfanden. Point Alpha sollte vor allem den sogenannten Fulda Gap unter Beobachtung halten, da hier aus geografischen Gründen ein Angriff schnell und leicht möglich gewesen wäre. Ca. 40 Soldaten arbeiteten hier, die regelmäßig ausgewechselt wurden, denn dieser Berg direkt an der Grenze war schon recht einsam.  Von Renate und Monika werden wir herzlich empfangen. Sie sind begeistert! Es ist eine wahrhaft luxuriöse Herberge für uns, sehr bequeme Betten, gut ausgestattete Waschräume, eine Küche. Sie waren schon im Café, haben alles entdeckt und nette Leute kennen gelernt. Während Lesya und ich uns duschen, bereiten die anderen das Abendessen vor und schneiden das ganze Obst. Es sind Erdbeeren, Mango, Birnen und Äpfel, es gibt nur keine Schüsseln, aber beide sind kreativ! Zunächst wird das Hühnchen vertilgt, dann kommt ein großer Obstteller. Herrlich!

Abendliche Pilgerpflicht - Wäsche waschen

Es ist der 3. Pilgertag, gestern sind wir erst spät angekommen, daher greift heute jeder zum Waschmittel und bringt seine Montur auf Vordermann. Als uns die Trockenplätze ausgehen, hängen wir unsere Klamotten in die Bäume, wo alles schnell trocknet. Ich stromere durch  Point Alpha, welches wir an diesem Abend ganz für uns haben. Wir sind allein hier, aber mit dem Zaun drum herum fühlt sich jeder sicher… Damit ist die Besichtigung im Übernachtungspreis mit enthalten. Wir schlafen ja schon in einer ehemaligen Baracke. Es gibt hier viel zu sehen: Panzer, Feldfahrzeuge, Zelte mit Soldatenpuppen, kaputte Hubschrauber (hier war mal das Dach der Fahrzeughalle wegen Schneemassen runtergekommen und hatte die Hubschrauber demoliert). Das ganze Gelände ist eingezäunt, ein großer Beobachtungsturm steht am Ostrand. Jenseits des Zaunes sieht man die Überreste der DDR-Grenzanlage mit Erdbunker, Hundelaufanlage, Beobachtungsturm, Metallgitterzaun, ehemaligen Minenfeldern, Grenzsteinen. Das ist zwar alles schon über 20 Jahre her, aber ich kenne das alles noch in echt – als Berlinerin eben ein immer wiederkehrendes Schreckensmal.

US-amerikanische Überbleibsel in Point Alpha

US-amerikanische Überbleibsel in Point Alpha

Mir kommen zwei Ideen für Bilder, die ich gerne mit den Anderen umsetzen möchte. Einmal habe ich die Sperrlinie entdeckt. Es ist eine rote Linie auf der innenliegenden Straße, die kein Panzer überqueren durfte, es hätte sonst als Grenzprovokation gegolten. Nur Jeeps und kleine Fahrzeuge durften den Wendekreis um den Fahnenmast benutzen. Und ich denke, manche Grenzen muss man einfach überschreiten. Für uns ist der getrennte Tisch auch ein Schreckensmal. Wir sind zu viert miteinander unterwegs, teilen die gleiche Religion, aber nicht Konfession. Wir teilen hier den ganzen Tag miteinander, laufen zusammen, essen zusammen, schlafen zusammen, beten zusammen, aber Jesus gemeinsam in der Eucharistie verinnerlichen dürfen wir nicht.

Die Sperrlinie

Die christliche Sperrlinie liegt im Abendmahl und wir wollen sie überschreiten

Doch wir suchen keine Revolution, wir wünschen uns eine friedliche Öffnung auch dieser Grenzen. Für niemand von uns machen sie einen Sinn. Daher möchten wir allen aus Point Alpha einen Friedensgruß senden, wir hoffen, dass man ihn erkennt (die Idee war wahrscheinlich besser als das Ergebnis…)

P A X - Frieden, Paix, Peace, Paz, Pace

Nach dem Foto klettern wir alle auf den Beobachtungsturm, um in der Abendsonne die Aussicht zu genießen. Geisa liegt vor uns im Tal und Lesya und ich zeigen, wo wir aufgestiegen sind. Der Abend ist total mild und warm!

Geisa im Abendlicht

Beim Heruntersteigen werden wir von einem Mann im Grünmann imit einem langen Stock angesprochen. Er fragt uns, was wir Tanten denn auf dem Turm hinter dem Zaun machen. Renate wechselt ein paar Worte mit ihm, er erzählt, dass er Schäfer ist. Er ist ein einfacher Mann, man merkt es schnell. Da ich solche Menschen von der Obdachlosenarbeit kenne, spreche ich mit ihm und es beginnt ein bemerkenswerter Dialog. Ich frage ihn: „Sind Sie der gute Hirte?“ Er sagt: „Ja, ich hüte die Schafe meines Vater!“ Weiter sagt er: „Ich bekomme kein Geld dafür, nur etwas zum Essen und einen Platz zum Schlafen.“ „Nicht mal ein Taschengeld?“ „Nein!“ Er weist auf seine Schafe und erklärt mir, es sind Rhönschafe.

Ich bin total überrascht und perplex ob dieses Dialogs. So hätte auch Jesus antworten können. Dann fragt er mich nach 2 Euro und sagt, er hätte „Durscht“. Ich habe nichts außer Wasser und biete es ihm an, was er gerne annimmt. Ich laufe schnell zur Baracke, wasche eine kleine Flasche aus und fülle sie mit kaltem Wasser. Dann gehe ich zu ihm zurück, er steht nun an der Stelle mit dem Birkenkreuz.  Ich stecke ihm die 2 Euro zu und werfe ihm die Flasche über den Zaun zu, weil sie nicht durch den Zaun passt. Beim ersten Mal bleibt sie am Stacheldraht hängen, beim zweiten Mal geht sie rüber. Es ist wie damals, als  meine Eltern Zigaretten über den Stacheldraht geworfen haben. Er nimmt beides und geht zu seinen Schafen, er, der gute Hirte auf der anderen Seite des Stacheldrahtzauns. Nicht er war draußen, sondern ich. Das Kreuz steht auf seiner Seite, im Licht, für mich hinter dem Zaun…

Hinterm Zaun der gute Hirte Winfried, der Freund des Friedens - nur das Kreuz steht im Licht

Ich frage ihn, ob ich ein Foto von ihm machen darf. Ich darf, aber kommt nicht sehr nahe heran, er ist mehr nur als ein Schatten auf dem Bild erkennbar. Und ich frage ihn aus alter Pilgergewohnheit nach seinem Namen, manchmal gibt es da bemerkenswerte Aussagen. Er sagt, er hieße Winfried = Friedensfreund (Der Name Winfried ist ein aus den Gliedern „wini“ (Freund) und „fried“ (Frieden) gebildeter germanischer Rufname.) Ich bin erneut perplex. Meine erste Assoziation ist: Der Friede gewinnt. Was haben wir da gerade auf dem Turm dargestellt? Pax – Friede. Was geschieht hier? Der Name des guten Hirten fühlt sich für mich auch an wie eine Prophezeihung: Der Friede wird gewinnen! Er wurde auch mal Friedensfürst genannt…

Gleichzeitig war es interessant, dass er genau 2 Euro sich gewünscht hat. Am Sonntag vor dem Pilgern hatte ich noch gar kein Geld zum Pilgern gehabt, obwohl ich diese Reise nun schon seit so vielen Monaten vorbereitete. In einem Gebet sagte ich zu Gott: „Wenn Du willst, dass ich diese Pilgerreise mache, dann brauche ich bis zum nächsten Freitag 400 Euro.“ Und am Freitag hatte ich: exakt 400 Euro. Die letzten 2 Euro hatte ich von meiner letzten Klientin bekommen, die sagte: „Ich habe momentan kaum Geld, aber ich gebe Dir diese 2 Euro, mehr habe ich nicht.“ Und genau diese 2 Euro hat er gewollt und bekommen. Meine Güte, lieber Gott, hier kriegen wir aber echt etwas geboten… Als ich den anderen mein Erlebnis erzähle, da sind sie ebenfalls perplex und bedauern partiell, nicht auch da geblieben zu sein. Sie hatten innerlich gerichtet und waren weggegangen. Eine von uns hat ihm später eine etwas größere Spende zukommen lassen.

Unser Tag ist noch nicht zu Ende, wir haben noch was vor. Wir wollen uns an diesem prominenten Ort mit der Wiedervereinigung auseinandersetzen. Dafür habe ich das persönliche Mauerfall-Tagebuch  des Bundestagsvizepräsidenten Wolfgang Thierse über die Zeit der Wende dabei, aus den ich vorlese.  Christen und Kirche habe bei der friedlichen Revolution, die zum Mauerfall gehörte, eine wichtige Rolle gespielt. Beeindruckt war ich davon, dass man zum Anfang nur für die Veränderung auf die Straße gegangen war. Wohin es gehen sollte, wie es werden sollte, war den Beteiligten damals nicht klar. Es sollte sich entwickeln.

Der Abend endete für mich wundervoll, ich bekam eine erholsame Fußmassage von Lesya. Eine von uns war noch lange in den Waschräumen beschäftigt, kein anderer weiß, womit. Eine andere Pilgerin sagte voller Mitgefühl: „Herr, hilf dieser verlorenen Seele, damit sie Ruhe findet!“ Beim Einschlafen murmelte ich zustimmend: „What she said, god, what she said!“

Wenn wir mit dem von uns Erlebten zuviel Anstoß erregen, vielleicht einfach der Schott-Tagesimpuls vom 30. Mai 2011, den wir zum Abschluss lasen:

EVANGELIUM                                                                       Joh 15, 26 – 16, 4a

Der Geist der Wahrheit wird Zeugnis für mich ablegen

Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes

26Wenn aber der Beistand kommt, den ich euch vom Vater aus senden werde, der Geist der Wahrheit, der vom Vater ausgeht, dann wird er Zeugnis für mich ablegen. 27Und auch ihr sollt Zeugnis ablegen, weil ihr von Anfang an bei mir seid. 1Das habe ich euch gesagt, damit ihr keinen Anstoß nehmt. 2Sie werden euch aus der Synagoge ausstoßen, ja es kommt die Stunde, in der jeder, der euch tötet, meint, Gott einen heiligen Dienst zu leisten. 3Das werden sie tun, weil sie weder den Vater noch mich erkannt haben. 4aIch habe es euch gesagt, damit ihr, wenn deren Stunde kommt, euch an meine Worte erinnert.

Lehre des Tages: 1.  Gott kann Dir in jedem Menschen begegnen. 2. Der Friede gewinnt. 3. Wer sich abgrenzt, der ist draußen und nicht drinnen – im Leben.

31. Mai 2011: Von Point Alpha zum Kloster Hünfeld

5 Jun

Von Gabriele

Wir hatten unser Frühstück um halb acht Uhr bestellt, daher standen wir gegen halb sieben auf, um uns vollständig frühtstücks- und abmarschbereit zu machen. Die Mitarbeiter von Point Alpha waren ganz pünktlich da und super angenehm, super gastfreundlich und unser Frühstückstisch – das war einfach ein Traum.

Frühstück in Point Alpha

Der Kaffee weckte unsere Lebensgeister und gegen halb neun zogen wir mit guter Laune los. Ein Abschiedsfoto noch von diesem ereignisreichen Ort, damit wir mal wieder zu viert auf einem Foto sind.

Die vier Pilgerinnen: Abschied von Point Alpha

Wir schauten uns noch um an der Gedenkstätte. Innen gab es ein Foto einer Gedenkveranstaltung mit den Staatsmännern der Einheit: Kohl, Gorbatschow, Bush. Die hatten es geschafft, einen großen Umbruch innerhalb weniger Jahre zu gestalten. Und da ging es um sehr viel mehr Ebenen, in denen vereint werden musste. Ich war um die Zeit der Wende in Berlin und habe, da ich aktiv mit den Verwaltungen zusammen arbeitete, mitgekriegt, wie viele Prozesse dort verändert und angeglichen werden mussten. Wieviele Brücken wieder gangbar gemacht werden mussten allein in Berlin. Und ich fragte mich wieder: Warum um alles in der Welt schafft es die Kirche nicht? Es ist doch so viel weniger an Klärungsbedarf? Warum? Was kann daran jetzt so schwer sein? Warum ist man um Jesus Christus, den Friedensfürst (& -freund), so unversöhnlich, so uneins? Warum bleibt das so lange? Ich sag mal, an Jesus kann es doch nicht liegen…

Drei Staatsmänner, drei Pilgerinnen

Wir verließen unsere Enklave und trafen vor dem Zaun auf zwei wichtige Worte der Wiedervereinigung, die wir dem Prozess der Ökumene ans Herz legen möchten:

Jetzt wächst zusammen, was zusammen gehört - Wir sind ein Volk

Wir sind das Volk! Das war der Ruf der Demonstranten – zuerst in Leipzig, später überall. Jetzt wächst zusammen, was zusammen gehörtist von Willy Brandt am 10. November 1989. Wir fotografieren noch ein paar Überbleibsel aus der Zeit der Trennung. Es macht sich Erschütterung und Trauer breit. Hier waren Menschen bereit, Menschen zu töten. Und man hat Frieden geschlossen und die Tötungsapparatur in den Ruhestand geschickt. Was soll die Welt nur von Jesus Christus halten, wenn seine Anhänger untereinander nicht Frieden schließen und sich wiedervereinigen können? Und was für ein Bild zeichnet dies von den Akteuren der Kirche?

Grenzzeichen - Birkenkreuz für ein Grenzopfer, Erdbunker, Überwachungsturm

Grenzzeichen - Birkenkreuz für ein Grenzopfer, Erdbunker, Überwachungsturm

Auf dem ehemaligen Grenzstreifen laufen wir weiter zum Haus auf der Grenze. Hier erhalten wir unseren Stempel für den Pilgerpass. Wir wollen uns lieber dem Kreuzweg widmen, daher sehen wir von einem Besuch der Ausstellung ab. Gegenüber vom Haus steht ein altes Steinkreuz. Ein Mitarbeiter erzählt uns, dass die Menschen im Geisaer Land sehr gläubig sind und daher die Grenztruppen es nicht wagten, das Steinkreuz zu schleifen, das ja so nah an der Grenze stand. Unten auf dem Steinkreuz steht: „Lass an dem Kreuz mich stehen, mit Demuth, Herr, bei Dir, dir willig nachzugehen, das einzig ziemet mir.“ Nachfolge! Während ich hier noch fotografiere und nach Pilgermanier ein kleines Holzkreuz dazustelle, sind die anderen schon weiter gegangen auf den Kreuzweg. Von diesem berichten wir auf einer Extraseite Der Weg der Hoffnung: Der Kreuzweg von Point Alpha.

Das alte Steinkreuz an der Grenze hat die DDR-Zeit überlebt und die Landschaft ist einfach nur ein Traum

Der Jakobsweg zweigt vom Kreuzweg direkt ab, wir wollen aber den Kreuzweg bis zum Ende gehen. Die Mitarbeiter am Haus der Grenze haben mir daher geraten, direkt auf dem alten Grenzstreifen weiterzugehen und dann über Setzelbach nach Haselstein zu gelangen. Am Ende meines Kreuzweges kann ich eine Weile zügig laufen, da ich doch sehr viel länger gebraucht habe, aber die Anderen hatten Vertrauen, dass ich sie sehr schnell einholen würde. Der Weg ist  in der Tat sehr angenehm zu laufen. Auf der Straße verließen wir nun endgültig Thüringen.

Ade Thüringen und Ostdeutschland...nun geht es nach Hessen

Ade Thüringen und Ostdeutschland...nun geht es nach Hessen und in erzkatholisches Land

In Setzelbach biegen wir auf einen Radweg ab, der nach Haselstein führen soll. Wir finden dort einen sehr schönen Rastplatz für ein 2. Frühstück und die Eindrücke vom Kreuzweg. Doch irgendwann führt der Radweg in einem großen Bogen wieder auf die Landstraße und das letzte Stück nach Haselstein geht es dann auf der Landstraße entlang. Während am Morgen noch schönes Wetter herrscht, zog es sich nun langsam zu und als wir Haselstein schon sehen, da beginnt es zu nieseln. Auf der Straße hält eine Frau bei uns an und fragt, ob sie uns ein Stück fahren könnte. Wir schicken sie ein Stück weiter zu Renate, die hinter uns laufend eine solche Hilfe immer gut brauchen kann. Wir sehen noch, wie das Auto wendet, kurz darauf fährt sie winkend an uns vorbei. Wie schön – es gibt immer wieder Wege-Engel, die uns weiter helfen.

Jesus, hilf Deinen Pilgerinnen! Wir wollen jetzt nicht klitschenass werden!

Auf den letzten Metern wird es immer dunkler. Wir kommen an einer Herz-Jesu-Statue vorbei und ich halte an, wie immer. Unten auf dem Sockel steht: „Siehe dieses Herz, das die Menschen so sehr geliebt hat“. Ein Pilgergebet: „Lieber Jesus, wir brauchen Dich jetzt ganz dringend. Bitte hilf uns, dass wir Schutz vor dem Regen finden.“ Und so erreichten wir Haselstein, während es weiterhin leicht nieselte, obwohl der Himmel vor uns anderes versprach. Dort fanden wir die Landmetzgerei  Pomnitz in Haselstein und in der Landmetzgerei auch Renate. Hier war ich schon vor zwei Jahren eingekehrt. Im Verkaufsraum ist auch ein kleines Bistro, aber das war voll. So lassen wir die Rucksäcke kurz auf ein paar Stühlen vor dem Laden stehen. Doch kaum eine Minute, nachdem wir den Laden betreten hatten, da kommt mit dicken Tropfen ein wahrer Wolkenbruch nieder. Der Himmel hat genau so lange gewartet, bis wir geschützt waren. Schnell holen wir auch noch die Rucksäcke hinein, jetzt war es egal, ob es hier eng wurde. Netterweise werden nun auch ein paar Plätze frei und wir gehen gleich in die Mittagspause über. Bis Hünfeld waren es jetzt noch ca. 9 km oder was auch immer… 😉

Renate kam gleich mit den Herren am Nebentisch ins Gespräch. So lernen wir den großen und den kleinen Herbert und Walter kennen. Während draußen der Regen prasselt, verwöhnen wir uns mit Kaffee, Würstchen und Kartoffelsalat und führen Glaubensgespräche. Der große Herbert, ein bärtiger Bär von einem Mann erzählte uns von dem Pfarrer seiner Kindheit, der immer und allen versuchte, vor Gott Angst zu machen. Er bezeichnete ihn als drittklassiges Personal. Daher habe er sich von der Religion abgewandt. Ich erzähle von meinem Gottesbild, das von den Erfahrungen von Fürsorge und Liebe auf meinen Pilgerwegen geprägt ist. Das findet er dann annehmbarer und kann so meinen Glauben verstehen. Wir berichten über unsere Pilgerreise und unsere Erlebnisse dabei. Auf meinem Handy kann ich ihm auch den schwingenden Botafumeiro der Kathedrale von Santiago zeigen, als wir im Gespräch auf den Camino Francés in Spanien kommen. Ich erzähle auch die Geschichte meiner Begegnung mit Winfried und siehe da: der große Herbert kennt ihn und trifft ihn so einmal im Monat. Wir bitten darum, ihm herzliche Grüße von uns auszurichten.

Irgendwann klart es auf und der Regen hört auf und wir machen uns auf. Das Gebet hatte wundervolle Wirkungen gehabt: Wir waren nicht nur vor dem Regen geschützt, sondern hatten auch noch eine sehr schöne Begegnung mit den Menschen vor Ort. Wir verabschieden uns herzlich von den drei Männern. Während der Pause haben Renate und Monika sich entschieden, von Haselstein aus den Bus nach Hünfeld zu nehmen. Renate leidet unter ihren Blasen und ihr fällt das Laufen immer schwerer. Lesya und ich freuen uns auf den schönen Höhenweg. Nachdem wir die Burgruine von Haselstein umrundet haben, geht es ordentlich bergauf, doch der Weg über die Hügel war ganz naturbelassen und wunderschön:

Für Lesya wie bei Oma

Für Lesya wie bei Oma in der Ukraine

Lesya ist begeistert. Diese Wege erinnern sie an ihre ukrainische Heimat, an die Sommerferien bei Oma auf dem Lande. Indem sie mir erzählt, wie es für sie war, laufen wir locker Kilometer um Kilometer weiter. Uns geht es gut mit dem Laufen, wir können nun etwas flotter gehen und haben neben dieser intensiven Naturerfahrung viel Spaß dabei. Das Panorama ist großartig. Hier können wir das Hessische Kegelspiel bewundern:

Das Hessische Kegelspiel

Ein Wiesel trägt auf seinem Rücken einen Apfel durch ein Stoppelfeld in einen kleinen, morschen Stall auf einer Lichtung, so ist es.

Mit dem Spruch kann man sich die Namen der Berge merken, die wie zu einem der Sage nach Kegelspiel für Riesen sich erheben: Wisselsberg, Rückersberg, Appelsberg, Stoppelsberg, Kleinberg, Morsberg, Stallberg, Lichtberg und Soisberg. Wieder und wieder: Wie ist diese Welt, wie ist diese Gegend so wunderbar!!!

Je weiter wir uns Hünfeld annähern, umso dichter und tiefer hängen die Regenwolken über Hünfeld. Wir bitten wieder darum, dass der Regen wartet, bis wir im Kloster angekommen sind. Wieder werden wir erhört, aber wir haben auch zum Schluss einen mächtigen Schritt am Leibe. Kurz nach drei sind wir in Hünfeld und schellen an der Klosterglocke. Die beiden anderen haben schon unsere Zimmer klargemacht und so gehen wir hinauf. Die Zimmer sind alle nach Heiligen benannt und wir kommen im Zimmer der Lucia unter. Monika und Renate haben diesmal die Vorräte besorgt. Monika hat sich ihre neuen Wanderschuhe hier nach Hünfeld schicken lassen, dafür geht ein Paket zurück in die Heimat, damit ihr Rucksack leichter wird. 4 kg wird sie nun los, das hilft ihr wirklich sehr! Sie ist noch unterwegs, als wir ankommen und wir treffen sie erst bei der Abendandacht wieder.

Auch heute haben wir ein sehr fruchtiges Essen: Kirschen und Pfirsiche, aber auch Kartoffelsalat in mehreren Formen. Wunderbar! Ein  wichtiger Programmpunkt heute ist das Labyrinth im Klostergarten von Hünfeld. Da gerade eine Menge Kinder darin herumtoben, Monika fehlt und wir auch an der Abendandacht teilnehmen wollen, wenn wir schon mal die Chance dazu haben, verschieben wir es auf später. Wäsche waschen, Duschen und ein kleines Schläfchen in einem herrlichen Bett mit Daunendecke – so mag es die Pilgerin.

Die goldene Maria aus dem Klostergarten von Hünfeld

Die goldene Maria aus dem Klostergarten von Hünfeld

Um 18.15 Uhr beginnt die Abendandacht in dem Gebetsraum gegenüber der Klosterpforte. Ein freundlicher Mann reicht uns die Psalmenbücher zu, aus denen hier gesungen wird. Dann erfolgt eine Lesung und Gebet. Es ist immer wieder ein Ruhepol bei der Einkehr in einem Kloster, es ist Ankommen.

Nach der Abendandacht ziehen wir uns die Regenjacken an und gehen zum Labyrinth. Neben dem Labyrinth steht diese sehr schöne Marienstatue. Hünfeld ist ein Marienkloster. Wir bitten auch sie um Begleitung bei unserem Labyrinth.

Jede von uns geht einzeln durch das Labyrinth, damit sich jede nur auf die eigene Wahrnehmung konzentrieren kann. Als erste geht Renate hinein. Sie kommt ganz glücklich wieder hinaus und hat viel zu erzählen.

Von Renate

Mein 2. Erlebnis hatte ich im Garten des Klosters Hünfeld. Dort ging ich in das Labyrinth mit der Frage.“Warum bin ich hier?. Die Antwort in mir lautete „Wachse und werde stark wie dieser Baum „. Ich schaute nach vorn und sah eine riesengroße Tanne  stehen. Da mußte ich dann doch lachen, und war auch beseelt von diesem Erlebnis. Immer wieder mußte ich daran denken, dass ich nicht allein bin und mit meinen Mitpilgern, die schon zu meinen Vertrauten geworden sind, reden konnte. Das machte mich glücklich.

Die große Tanne im Klosterpark von Hünfeld: So groß und stark sollte ich werden!

Dann erläuft sich Monika die Geheimnisse des Labyrinths. Am Ende braucht sie Zeit für sich und geht weit hinein in den schönen Hünfelder Klosterpark. Lesya ist die Dritte, und auch sie kommt wahrhaft bereichert hinaus. Es ist schon ein beeindruckender Platz.

Das sprechende Labyrinth von Hünfeld

Ich gehe als letzte hinein und kaum habe ich das Rund betreten, beginnt in meinem Herzen die Stimme zu sprechen:

„Es geht bei der Wiedervereinigung der Kirchen um ein uneingeschränktes, bedingungungsloses  Ja. Ein Ja, bevor alles geregelt ist. Es liegt nicht im Menschen, die Einheit wieder herzustellen, sondern bei Gott. Das ist der Anfang. Die Bereitschaft der Kirche, sich von Gott führen zu lassen wie einst das Volk Israel beim Auszug aus Ägypten. Es ist ein genau so uneingeschränktes Ja wie beim Heiraten. Ein Ja-„Bis dass der Tod uns scheidet“, ein Ja-„in guten und in schlechten Tagen“, ein Ja-„mit Gottes Hilfe“. Das, was das Sakrament der Ehe von den Ehepaaren fordert, das gilt auch hier. Es ist wirklich wie Heiraten ohne Ehevertrag. Man weiß auch vorher nicht, wo der gemeinsame Weg hingehen wird. Es ist Hingabe, es ist ein unbedingtes sich Einlassen auf den Prozess, den kein Mensch kennt, nur Gott. Alle notwendigen Mittel werden unterwegs von Gott gegeben, es ist wie mit Moses in der Wüste. Er und das Volk Israel bekamen auch alles, was sie unterwegs brauchten. Es geht zuerst um den Entschluss es zu tun: „Ja, mit Gottes Hilfe!“ Es kann an einem einzigen Tag geschehen. Die Kirche in ihrem Selbstverständnis als Leib Christi bedeutet in ihrer jetzigen Getrenntheit einen geteilten, zerhackten Leib Christ. Es ist, als ob Jesus jeden Tag von den Christen von neuem gekreuzigt wird, sein Leib ist nicht eins, sondern bleibt geteilt. Die Christen müssen sich darüber klar werden, was sie durch die Trennung Jesus Christus antun. Ein jeder muss sich fragen: Will ich Jesus jeden Tag wieder kreuzigen? Die Einheit ist der Schlüssel für die riesigen Probleme der Welt. Die vereinte Christenheit könnte durch ihr Beispiel wirken und wahren Frieden und Gerechtigkeit bringen. Der Segensstrom Gottes könnte wieder ungeteilt und mit ganzer Kraft auf die Menschheit fließen. Es geht auch darum, dass alle Ämter zur Disposition gestellt werden, um offen zu sein für Gottes Führung, wie er seine Kirche will.“

Voll erfüllt waren wir alle, als wir wieder in unsere Zimmer kamen und uns zusammen setzten. Renate hatte Rotwein gekauft und wir alle konnten miteinander anstoßen, um den Tag ausklingen zu lassen. Da auf dem Zimmer eine Bibel lag, machten wir zum Ergebnis wieder einmal die Übung  „Sprich nur ein Wort“ mit dem Bibelsäckchen. Ich zog Jeremia 1,19:

„Mögen sie dich bekämpfen, sie werden dich nicht bezwingen; denn ich bin mit dir, um dich zu retten – Spruch des Herrn.“

Ich dachte dann, das ist doch alles unglaublich, was ich hier höre, was ich hier empfange. Wie soll ich das jemals jemandem erklären? Das klingt ja so klar, so eindeutig, aber auch so bedeutsam. Die Änderung, die hier gefordert wird, ist so umfassend, so fundamental. Die werden mich doch alle für verrückt erklären! Wahrscheinlich werden sie mich als spinnert abtun und das wars schon. Aber ok, auch wenn ich spinnert bin, dann ist es so. Mir kommt es schlüssig vor. Zum Abschluss lasen wir noch die heutige Lesung aus dem Schott-Register. Sie lautete – und auch das passte:

EVANGELIUM                                                                               Joh 16, 5-11

Wenn ich nicht fortgehe, wird der Beistand nicht zu euch kommen

Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes

5Jetzt aber gehe ich zu dem, der mich gesandt hat, und keiner von euch fragt mich: Wohin gehst du 6Vielmehr ist euer Herz von Trauer erfüllt, weil ich euch das gesagt habe. 7Doch ich sage euch die Wahrheit: Es ist gut für euch, dass ich fortgehe. Denn wenn ich nicht fortgehe, wird der Beistand nicht zu euch kommen; gehe ich aber, so werde ich ihn zu euch senden. 8Und wenn er kommt, wird er die Welt überführen (und aufdecken), was Sünde, Gerechtigkeit und Gericht ist; 9Sünde: dass sie nicht an mich glauben; 10Gerechtigkeit: dass ich zum Vater gehe und ihr mich nicht mehr seht; 11Gericht: dass der Herrscher dieser Welt gerichtet ist.

Ein ereignisreicher, ein schöner Pilgertag lag hinter uns. Zu unserer großen Freude hatten wir wunderbare Betten mit Federbettdecke, während draußen sich das Wetter abarbeitete. Ein wunderbar Schlaf folgte.

Lehre des Tages: Leg die Dornenkrone ab und hänge sie an den Nagel (lasse alle stechenden, unfriedlichen, trennenden und schmerzhaften Gedanken los) und gehe in die Freiheit. Und die heißt: Ein bedingungsloses „Ja, mit Gottes Hilfe“.

Der Weg der Hoffnung: Der Kreuzweg von Point Alpha

5 Jun

Jesus Passion in Schrott - Skulpturen des Bildhauers Ulrich Barnickel

Von Gabriele

Der Kreuzweg von Point Alpha verdient ganz klar eine eigene, in sich abgeschlossene Seite! Er wurd am 26. März 2010 eingeweiht und enthält direkt neben dem Haus auf der Grenze auf dem alten Grenzstreifen 14 eindrucksvolle Skulpturen des Bildhauers Ulrich Barnickel. Zusammen mit der umgebenden Natur zeigt sich ergreifend der Weg Jesu aus Gewaltverzicht, Drangsal in die Überwindung des Irdischen – am Schluss hängt er seine Dornenkrone mit einem gefühlten „Tschüss – man sieht sich!“ förmlich „an den Nagel“. Modern und mit starker Botschaft und einem grandiosen Ende mit der Aussicht in die Weite und Schönheit Gottes und seiner wahren Schöpfung.  Durch Zufall bin ich den Weg allein gegangen – die anderen waren mir voraus – im Gebet für die Einheit der Christen.

1. Station Willkür – Jesus von Pontius Pilatus zum Tode verurteilt

1. Station Willkür

„Mein Reich ist nicht von dieser Welt“

Was könnte dieser Pilatus sagen? Was hören wir Trennendes von den Kirchen? Wie urteilen sie übereinander?

2. Station: Unterdrückung – Jesus nimmt sein Kreuz auf sich

2. Station Unterdrückung – Jesus nimmt das Kreuz auf seine Schultern

Ich sehe am Himmel hinter dem Kreuz einen Arm, eine Hand, die das Kreuz mithält. Wer unterdrückt wird, der wird von Gott gehalten.

3. Station Zwang – Jesus stürzt zum 1. Male mit dem Kreuz

3. Station Zwang - Jesus stürzt das 1. Mal mit dem Kreuz

Zwang – und Jesus fällt. Das 1. Schisma 417? (Die Stürze sind in den Evangelien nicht dokumentiert).

Mit Zwang geht nichts auf Dauer, mit Liebe schon. Welche Zwangsmaßnahmen werden in der Ökumene eingesetzt? Wozu will man einander zwingen?

4. Station: Entsetzen – Jesus trifft auf seine Mutter

4. Station Entsetzen – Jesus und Maria

Gebeugt, fast gebrochen und mit hängenden Armen steht die Gottesmutter vor ihm, wie soll sie das ertragen? Eine kleine Mohnblume steht zwischen ihnen – blutrot…

5. Station: Solidarität – Simon von Cyrene hilft Jesus mit dem Kreuz

5. Station Solidarität - Simon von Cyrene hilft Jesus, das Kreuz zu tragen

Als ob ein Engel über seiner Hand schwebt….

Berührend - Jesu Hand

Wo legt man gemeinsam die Hand ans Kreuz? Wo hilft man einander in der Ökumene? Irgendwo?

6. Station Mit-Leid – Veronika und das Schweißtuch

6. Station Mit-Leid – Veronika mit dem Schweißtuch

Im Schweißtuch ein Abbild des Himmels… Schau in den Spiegel und erkenne!

7. Station Gewalt – Jesus stürzt das 2. Mal

7. Station Gewalt - Jesus stürzt zum 2. Mal

Jesus muss sich sehr tief beugen. Das 2. Schisma in 1054?

Gewalt ist keine Lösung. Unerbittlich in Positionen zu verharren ist auch Gewalt.

8. Station Trost – Jesus und die Frauen Israels

8. Station Trost – Jesus und die Frauen Israels

Unter Jesus wuchsen ein paar Mohnblumen und es war mir, als ob sie Jesu Blut wären – frisches Blut! Er blutet noch immer…

9. Station Kreuz – Jesus stürzt das 3. Mal

9. Station - Jesus stürzt das 3. Mal

Das 3. Schisma 1517 mit dem Beginn der Reformation? Er liegt am Boden – und wieder Blut.

10. Station Entwürdigung – Jesus wird nackt ausgezogen

10. Station Entwürdigung – Jesus wird nackt ausgezogen

Wer hat den Mohn gesät, gesetzt? Menschen? Oder der große Sämann? Die Wunden und Risse auf seiner Brust werden sichtbar. Ihr Blut zu seinen Füßen?

11. Station Mord – Jesus wird ans Kreuz genagelt

11. Station Mord - Jesus wird ans Kreuz genagelt

Man sieht deutlich den Schrei aus Jesu Mund – laut oder stumm? Ich möchte mitschreien!

Beachtenswert als Zeichen des Henkers: Hammer in der Hand und Zirkel (am Po des Schlächters), die Fahnenembleme der DDR! Es geht hier um die, die die Mauer(n) überwinden wollten. Und wer wird heute gekreuzigt? Menschen, die in Liebe und im Alltag Mauern überwinden, z.B. Ehepaare unterschiedlicher Konfessionen.

12. Station Verzweiflung – Jesus stirbt am Kreuz

11. Station Mord - Jesus stirbt am Kreuz

Der Himmel  zeichnete uns selbst noch ein Kreuz dazu! Es ist nicht nur Erinnerung, es ist auch jetzt!

Die sieben Worte Jesu am Kreuz:

“Um die neunte Stunde schrie Jesus laut und sprach: “Eli, Eli, lama asabthani?” das ist: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“
Mat 27,46

Der andere Übeltäter sprach: “Jesus, gedenke an mich, wenn du in dein Reich
kommst!” und Jesus sprach zu ihm: “Wahrlich, ich sage dir: Heute wirst du
mit mir im Paradiese sein.”  Lukas 23,24f.

Jesus sprach: “Vater, vergib ihnen; denn sie wissen nicht, was sie tun!”
Lukas 23,34

„Und Jesus rief laut und sprach: “Vater, ich befehle meinen Geist in deine
Hände!” und als er das gesagt, verschied er.“ Luk. 23,46

“Es stand aber bei dem Kreuz Jesu seine Mutter und seiner Mutter Schwester,
Maria, des Kleopas Frau, und Maria Magdalena. Da nun Jesus seine Mutter
sah und den Jünger dabeistehen, den er lieb hatte, spricht er zu seiner Mutter:
»Weib, siehe, das ist dein Sohn!«danach spricht er zu seinem Jünger: »Siehe,
das ist deine Mutter!«und von der Stunde an nahm sie der Jünger zu sich.”
Joh. 19,25-27

“Danach, da Jesus wußte, daß schon alles vollbracht war, auf daß die Schrift
erfüllt würde, spricht er: “Mich dürstet!””
Joh 19,28

„Da nun Jesus den Essig genommen hatte, sprach er :”Es ist vollbracht!” und
neigte das Haupt und verschied.“ Joh. 19,30

Ein Leitfaden, eine Gebrauchsanleitung für uns zur Einheit der Christen?

Zustand der Gottverlassenheit bemerken -> Den anderen mitnehmen -> Vergebung -> Den eigenen Geist (Überzeugungen) aufgeben und in Gottes Hand legen -> Eine neue Familie bilden -> Den Durst des Anderen stillen, bzw. den Essig trinken, den es für das eigene Ego bedeuten kann -> Vollenden

Ich kniete am Kreuz, sah wieder das Blut aus Mohnblüten, ich betete. Als ich so kniete, da sah ich aus dieser Geste der Anbetung und auch der Demut eine neue Perspektive:

„Ich bin das Licht für die Welt. Wer mir nachfolgt, irrt nicht mehr in der Dunkelheit umher, sondern folgt dem Licht, das ihn zum Leben führt.“
Johannes 8,12

Jesus spricht: Ich bin das Licht der Welt

Und auch hier zeigt das Licht ein weiteres Kreuz, ein Kreuz aus Licht.

13. Station Opfer – Jesus wird vom Kreuz abgenommen

13. Station Opfer - Jesus wird vom Kreuz abgenommen

Eine ungewöhnliche Pietra – und auch hier wieder ein paar Blutstropfen am Rande. Ein Gesätz für sie gebetet. Den Schmerz fühlen, den die Kreuzigung verursacht.

14. Station Hoffnung – 3 Türen in die andere Welt

14. Station Hoffnung 3 Türen in eine andere Welt

Eigentlich normalerweise die Grablegung, da sind hier nur 3 Türrahmen, die in eine offene Zukunft führen. Ich durchschritt die dreifaltige Tür zur Hoffnung auf ein gemeinsames Ganzes. Das Erstaunliche:

Die letzte Tür - die Dornenkrone als ihr Wegezoll

An der letzten Tür hängt die Dornenkrone, als hätte sie Jesus beim Hindurchgehen hinterlassen. Und wenn wir durch die letzte Tür gehen in die unendliche Weite einer wiedervereinten Kirche, dann bedarf es auch, dass wir stacheliges, stechendes, trennendes, schmerzhaftes, verletzendes Gedankengut, Glaubenskonstrukte, Überzeugungen abgeben und hinter uns lassen. Wenn wir die letzte Tür als die Tür des Heiligen Geistes betrachten, dann geht es hier darum, durch das Zurücklassen unserer Gedanken und die Teilhabe am Heiligen Geist, am Geist der Einheit voranschreiten. Ein Versprechen – bestimmt. Vor der Tür sind noch die letzten Blutstropfen, die beim Abnehmen der Dornenkrone von seinem Haupte troffen, danach das scheinbar unendliche Grün der Hoffnung.

Das Licht des Geistes hinter der Dornenkrone

Hinter der Dornenkrone erscheint das Licht wie ein Kopf,
der von einem Heiligenschein gekrönt ist,
die nächste Krone Jesu Christi,
die Krone des Heiligen Geistes.

 Wohin geht es jetzt? Die Wegbeschreibung ist nachzulesen in Epheser 4:

1 Lebt so, wie Gott es von denen erwartet, die er zu seinen Kindern berufen hat. 2 Überhebt euch nicht über andere, seid freundlich und geduldig! Geht in Liebe aufeinander ein! 3 Setzt alles daran, dass die Einheit, wie sie der Geist Gottes schenkt, bestehen bleibt durch den Frieden, der euch verbindet. 4 Gott hat uns in seine Gemeinde berufen. Darum sind wir ein Leib. In uns wirkt ein Geist, und uns erfüllt ein und dieselbe Hoffnung. 5 Wir haben einen Herrn, einen Glauben und eine Taufe. 6 Und wir haben einen Gott. Er ist der Vater, der über uns allen steht, der durch uns alle und in uns allen wirkt. 7 Jedem Einzelnen von uns aber hat Christus besondere Gaben geschenkt, so wie er sie in seiner Gnade jedem zugedacht hat. 8 Nicht ohne Grund heißt es von Christus: „Er ist in den Himmel hinaufgestiegen, er hat Gefangene im Triumphzug mitgeführt und den Menschen Gaben geschenkt.“ 9 Wenn es aber heißt: „Er ist in den Himmel hinaufgestiegen“, so bedeutet dies doch, dass er vorher zu uns auf die Erde gekommen ist.  10 Der zu uns herabkam, ist derselbe, der auch wieder hinaufgestiegen ist. Jetzt ist er Herr über den Himmel und erfüllt das ganze Weltall mit seiner Macht. 11 Einige hat er zu Aposteln gemacht, einige reden in Gottes Auftrag prophetisch, und andere gewinnen Menschen für Christus. Wieder andere leiten die Gemeinde oder unterweisen sie im Glauben. 12 Sie alle sollen die Christen für ihren Dienst ausrüsten, damit die Gemeinde Jesu aufgebaut und vollendet wird. 13 Dadurch werden wir im Glauben immer mehr eins werden und den Sohn Gottes immer besser kennen lernen. Wir sollen zu mündigen Christen heranreifen, zu einer Gemeinde, in der Christus mit der ganzen Fülle seiner Gaben wirkt. 14 Dann sind wir nicht länger wie unmündige Kinder, die sich von jeder beliebigen Lehrmeinung aus der Bahn werfen lassen und die leicht auf geschickte Täuschungsmanöver hinterlistiger Menschen hereinfallen. 15 Stattdessen wollen wir die Wahrheit in Liebe leben und zu Christus hinwachsen, dem Haupt der Gemeinde. 16 Er versorgt den Leib und verbindet die Körperteile miteinander. Jedes Einzelne leistet seinen Beitrag. So wächst der Leib und wird aufgebaut in Liebe.

17 Darum hat mir der Herr aufgetragen, euch zu sagen: Lebt nicht länger wie Menschen, die Gott nicht kennen! Ihr Denken ist verkehrt und führt ins Leere, 18 ihr Verstand ist verdunkelt. Sie wissen nicht, was es bedeutet, mit Gott zu leben, und ihre Herzen sind hart und gleichgültig. 19 Ihr Gewissen ist abgestumpft, deshalb leben sie ihre Leidenschaften aus. Sie sind zügellos und in ihrer Habgier unersättlich. 20 Aber ihr habt gelernt, dass solch ein Leben mit Christus nichts zu tun hat. 21 Was Jesus wirklich von uns erwartet, habt ihr gehört – ihr seid es ja gelehrt worden: 22 Ihr sollt euer altes Leben wie alte Kleider ablegen. Folgt nicht mehr euren Leidenschaften, die euch in die Irre führen und euch zerstören. 23 Gottes Geist will euch durch und durch erneuern.24 Zieht das neue Leben an, wie ihr neue Kleider anzieht. Ihr seid neue Menschen geworden, die Gott selbst nach seinem Bild geschaffen hat. Ihr gehört zu Gott und lebt so, wie es ihm gefällt. 25 Belügt einander also nicht länger, sondern sagt die Wahrheit. Wir sind doch als Christen die Glieder eines Leibes, der Gemeinde Jesu. 26 Wenn ihr zornig seid, dann ladet nicht Schuld auf euch, indem ihr unversöhnlich bleibt. Lasst die Sonne nicht untergehen, ohne dass ihr einander vergeben habt. 27 Gebt dem Teufel keine Gelegenheit, Unfrieden zu stiften. 28 Wer früher von Diebstahl lebte, der soll sich jetzt eine ehrliche Arbeit suchen, damit er auch noch Notleidenden helfen kann. 29 Redet nicht schlecht voneinander. Was ihr sagt, soll für jeden gut und hilfreich sein, eine Wohltat für alle. 30 Beleidigt nicht den Heiligen Geist. Als Gott ihn euch schenkte, hat er euch sein Siegel aufgedrückt. Er ist doch euer Bürge dafür, dass der Tag der Erlösung kommt. 31 Mit Bitterkeit, Jähzorn und Wut sollt ihr nichts mehr zu tun haben. Schreit einander nicht an, redet nicht schlecht über andere, und vermeidet jede Feindseligkeit. 32 Seid vielmehr freundlich und barmherzig, und vergebt einander, so wie Gott euch durch Jesus Christus vergeben hat.
Dem ist wohl nichts hinzuzufügen.

 Amen!

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