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Was nach der Pilgerreise geschah

5 Jun

Von Gabriele

Am 10. Juni 2011 hielt ich in der „Pilgerherberge im Alltag“ einen spontanen Vortrag, da wir aus technischen Gründen auf den Hauptvortrag des Abends warten mussten. Aus dem Vortrag heraus ergab sich im bei http://www.pilgerforum.de eine interessante Diskussion.

Daraus resultierender Thread im Pilgerforum

In einer Behandlung kurz nach der Pilgerreise habe ich eine Vision von unserer Reise. Die Person, die ich behandle, neigt dazu, sich durch Angst in Käfige von inneren Vorschriften und Absicherungsverhalten – vor allem finanziell – einzusperren (es ist genug Geld da). Plötzlich sehe ich mich und ihn in Point Alpha innerhalb des Zaunes. Draußen steht Jesus neben dem Birkenkreuz – wie Winfried damals. Ich bitte ihn: „Bitte heile ihn, befreie ihn aus seinem Gefängnis“! Jesus sagt: „Nur zu!“ Da frage ich: „Kommst Du rein, oder sollen wir rauskommen?“ Da sagt Jesus: „Nein, kommt Ihr rein.“ Da begriff ich: Durch die Gefängnisse, in die wir uns aus unterschiedlichen Gründen einsperren, mit denen trennen wir uns vom großen Ganzen ab.

Ende Juli bis  Mitte August war ich auf dem Jakobsweg in Frankreich unterwegs und pilgerte von Strasbourd nach Taizé und besuchte die dortige ökumenische Gemeinschaft. Unterwegs gab es zwei besondere Erlebnisse für mich zum Thema Ökumene.

In Notre Dame de Schauenberg hatte ich ein wundervolles Gespräch mit der dort lebenden 85-jährigen Schwester Eugenie. Am Frühstück sagte sie zu mir einen denkwürdigen Satz: „Mit den Konfessionen der Menschen, die hier herkommen, ist mir das egal. Wenn wir sterben, dann stehen wir alle vor dem gleichen Gott. Warum nicht schon vorher?“ Eine weise Frau, oder?

Der Altarraum der Versöhnungskirche von Taizé gehört Gott allein mit Kreuz und Licht

In Taizé war ich begeistert davon, wie weit Ökumene dort im Tagesgeschehen und in den Gebetszeiten umgesetzt ist. Täglich kommen dort drei Mal viele Hundert vor allem junge Menschen aus allen Konfessionen in der Versöhnungskirche zum Gebet zusammen. Es gibt eine Lösung für das Abendmahl, bei dem keiner ausgeschlossen wird. In der Mitte der Kirche sitzen die in Weiß gekleideten Brüder der Gemeinschaft Taizé – ohne für den Teilnehmer sichtbare Hierarchie (wie es intern aussieht, das weiß ich natürlich nicht). Die Messe lebt von den Beiträgen vieler Brüder, die in den unterschiedlichsten Sprachen singen und Bibellesungen und Fürbitten vortragen. Der Altarraum war für Gott allein, die Blicke richteten sich auf keinen Menschen, sondern auf das Kreuz und auf das warme Licht der Kerzen. Am Ende ziehen die Brüder gemeinsam während des letzten Liedes aus.

Hier erinnerte ich mich blitzartig an den Schwarm weißer Vögel, den ich bei der Überquerung der Brücke der Einheit gesehen hatte. Sie hatten auch keine sichtbare Hierarchie, aber ihr Flug deutete auf einen inneren Zusammenhalt und eine innere Abstimmung hin, die sie auch sehr komplexe Flugbewegungen machen ließ.

Seit dem 19. September nehme ich – sooft ich Zeit habe – an der Mittagsandacht der Taizé Gemeinschaft in der Marienkirche am Alex teil, die gerade den Pilgerweg des Vertrauens in Berlin vorbereitet. Auch hier sehe ich diese – wie ich finde: wohltuende – Form der Gemeinschaft. Auch in unserer Kirche bereiten wir den Pilgerweg des Vertrauens der Gemeinschaft Taizé vor und veranstalten nun Taizé-Andachten.

Der Papst war in Deutschland. Mit dem Thema Ökumene befasste er sich hauptsächlich bei seinem Besuch in Erfurt. Der Fortschritt wird unterschiedlich beurteilt. Eine Annäherung vor allem bei der gemeinsamen Kommunion konfessionsverschiedener Paare hat es nicht gegeben, was sich viele für diesen Besuch gewünscht haben. Ich war bei der Messe am 22.9. im Olympiastadion dabei, denn gerade bei Meinungsverschiedenheiten- und die gibt es ohne Frage – ist eine gemeinsame Messe das Richtige. Und natürlich bitte ich, wie auf dem Kreuzberg gelernt, um Gottes Segen für ihn.

Derzeitiger Stand der Ökumene:

Frau Käßmann in Christ&Welt: „Auf der anderen Seite können wir nicht daran vorbei, dass es bei den Themen Papsttum, Kirchenverständnis, Ablass, Marienverehrung, Zölibat, Frauenordination und Priestertum aller Getauften Differenzen zwischen den Kirchen gibt, die wir nicht überspringen können. Mir liegt aber daran zu sagen, dass die Unterschiede aus evangelischer Sicht eine Einheit in versöhnter Verschiedenheit nicht verhindern. “

Bischof Müller hat das Erfurter Treffen von Papst Benedikt XVI. mit Vertretern der evangelischen Kirche als „Sternstunde der Ökumene“ bezeichnet (Passauer Neue Nachrichten). Er meint, Voraussetzung für die volle Einheit der Kirche sei eine tragfähige Übereinkunft in bisher trennenden Glaubensfragen. «Versöhnte Verschiedenheit» könne nicht das Ziel sein. (epd)

Papst Benedikt XVI. in Freiburg zu Vertretern der orthodoxen Kirche: „Ebenso wichtig bleibt die Weiterarbeit an der Klärung theologischer Differenzen, weil deren Überwindung für die Wiederherstellung der vollen Einheit, die wir erhoffen und um die wir beten, unerläßlich ist. Hier ist es vor allem die Primatsfrage, um deren rechtes Verständnis wir weiter ringen müssen. Dabei können uns die Gedanken zur Unterscheidung zwischen Wesen und Form der Ausübung des Primates, die Papst Johannes Paul der II. in der Enzyklika Ut unum sint (N. 95) vorgenommen hat, weiterhin fruchtbare Anstöße geben.“

Quelle: Enzyklika Ut unum sint

1.11.2011

Zu „Im Leben ist das Heil“:

Lebe das, was du vom Evangelium verstanden hast. Und wenn es noch so wenig ist. Aber lebe es.

Frère Roger, Communauté Taizé

Zu Primat des Papstes:

Das Einzige, um das uns niemand beneidet, ist der letzte Platz, darum gibt es auf diesem Platz weder Eitelkeit noch Herzeleid.

Thérèse von Lisieux

Am 1. Dezember war Kardinal Walter Kasper, ehemaliger Präsident des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen, in Berlin im ökumenischen Zentrum St. Adalbert bei der Gemeinschaft Chemin Neuf. Es war ein interessanter Abend. Er hat viel von dem Weg zur Einheit erzählt, fühlt aber momentan eine gewisse „Winterzeit“, es geht nicht zügig weiter. Spirituelle Ökumene sieht er als aktuell vielversprechenden Weg zur Einheit. Und die Klärung der Frage: Was ist Kirche und worin besteht die Einheit. In der Pause kam er aus irgendeinem Grund auf mich zu. Ich drückte ihm dann einen Zettel mit der Webadresse dieses Blogs in die Hand. Vielleicht hat er ihn schon gelesen?

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