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1. Juni 2011 Von Hünfeld nach Fulda

5 Jun

Von Gabriele

Das Kloster Hünfeld hat am Morgen zwei geistliche Zeiten, zum einen eine Prozession durch den Park, danach die Laudes, die morgendliche Gebetszeit nach dem Stundengebet und die anschließende Eucharistiefeier. Für den Park stehe ich nicht früh genug auf, aber pünktlich um 6.30 Uhr bin ich bei den Laudes dabei und genieße das morgendliche Versenken in Gott, den noch unbelasteten Geist gleich Gott zuzuwenden. Ich sehe weiter vorne Monika. Sie wollte ganz früh aufstehen und schon im Park dabei sein. Schön, dass sie es geschafft hat.

Um 7.30 treffen wir uns zum Frühstück im Essensraum und auch hier werden wir wunderbar verwöhnt. Es gibt ein Frühstücksbuffet mit Cerealien, Obst, Brötchen & Brot, Wurst, Käse und süßem Aufstrich, Joghurt und Saft. Auf den Tischen stehen Thermoskannen mit Kaffee. Wir genießen und lassen uns Zeit. Unsere heutige Strecke beträgt 23 km. Renate hat sich entschieden, heute mit dem Zug nach Fulda zu fahren, um sich zu schonen. An der Pforte bedanken wir uns nochmals für die freundliche Aufnahme.

Kloster Hünfeld

Kloster Hünfeld

Als wir nach draußen treten, erwartet uns ein frischer, eher regnerischer Morgen. Böse bin ich da gar nicht drum, denn wir hatten schon viel schönes Wetter. Renate überlässt Lesya ihren tollen Regenponcho und wir bringen sie gemeinsam zum Bahnhof, es wird nur eine kurze Fahrt nach Fulda sein.

Von Renate

Mein ganz besonderes Erlebnis hatte ich im Dom zu Fulda.

Der Dom zu Fulda

Ich hatte wegen vieler Blasen diese Etappe ausgelassen und bin mit dem Zug nach Fulda gefahren. Allein auf mich gestellt, bin ich zur Domsakristei gegangen, habe dort meinen Rucksack abstellen dürfen und hatte dann noch viel Zeit für mich. Also was tun,nun erst einmal wollte ich mir das Innere der Kirche ansehen. Mein Weg führte mich umgehend zur Jesusstatue mit dem heiligen Herzen. Ich setzte mich ihm gegenüber, und sofort empfand ich eine tiefe Verbundenheit zu ihm. Was geschah da mit mir . Wunderbare Energien durchdrangen meinen Körper und meinen Geist , es war ein Hochgefühl. Ich hätte tanzen,singen und lachen können. Ganz in mir habe ich mit diesem Jesus eine tiefe Verbundenheit gespürt, ohne in Trance zu sein. Es war einfach schön,ich musste lächeln. Ach könnte es wohl immer so sein, dachte ich. Diese Gefühl will ich leben, ehren und mir erhalten. Es ist wunderbar als Mensch unter Menschen zu leben.  Lesya sagte zu Recht. LEBEN IST SCHÖN! Das kann man auch sehen an ein paar Bildern meines Tages in Fulda:

Im Garten hinter dem Dom

An der Südseite des Doms

In Richtung Dom-Museum

Weiter von Gabriele

Wir suchen uns unsere Muscheln und finden schnell aus der Stadt heraus. Zunächst verläuft der Weg recht nah der Autobahn, doch es gibt unterwegs immer wieder auch sehr schöne Kapellchen. In Rückers kehren wir in die Kirche ein und dort begrüßt uns der Patron unseres Weges – Jakobus der Ältere, in seiner Pilgerkluft mit Pilgerstab, Kalebasse und Jakobsmuschel auf seinem Mantel. Es wird heute generell ein Tag der Kircheneinkehr – mit draußen rasten ist heute nix.

Jakobus - St. Jacques - Santiago - der Pilger

Doch die Kirchen unterwegs sind auch offen und so können wir uns eine Weile hineinsetzen, um zu rasten und zu beten. Unsere Regel „wenn du ein Problem mit jemandem hast, dann bete mit ihm“ ist bisher nicht sehr erfolgreich eingesetzt worden. Es wurde füreinander und als Gruppe miteinander gebetet. Aber das Zwei nach klarer Absprache für ein aktuelles Problem zwischeneinander beten, dazu hat es nicht gereicht. Wir scheuen den Konflikt, der auftreten könnte, wenn man den Anderen anspricht und die Frage: „Wieso, welches Problem hast du denn mit mir?“ oder vielleicht sogar die zugehörige Aussprache.

Trotzdem gärt es in der Gruppe, es gibt Konflikte. Wenn man 24 Stunden am Tag zusammen ist und dann auch noch viel Anstrengung und einen Bruch der täglichen Routine zu bewältigen hat, dann passiert es – uns zumindest. Ich denke an Jesus Wort vom Balken im eigenen Auge und mir kommt die Idee: Vielleicht ist es leichter, an dem Balken zu arbeiten, im Psychologendeutsch an den eigenen Projektionen! Daher bitte ich alle Monika und Lesya und Renate per Telefon, heute in den Kirchen ein spezielles Heilungsgebet zu praktizieren mit dem Inhalt: „Lieber Gott, bitte heile in mir den Anteil, der von …. genervt ist.“  Alle tun es, ich auch. Und ich treffe tatsächlich bei mir einige Teile an, die genervt sind, z.B. von Freiheiten gegenüber dem Gruppeninteresse und dem Gruppenzusammenhalt, die ich mir selbst  nicht zugestehen würde. Ich entdecke in mir auch einen Teil, der seine Ruhe haben möchte, Zeit und Kopf für sich haben möchte beim Pilgern, der nicht immer im Einsatz für die Gruppe sein möchte. Prima, das war eine gute und ergebnisreiche Idee. Wer immer einen Konflikt hat, sollte dies einmal ausprobieren. Eine Methode, vor der eigenen Haustür zu kehren, eine Methode, die uns unterwegs auf dem Weg gegeben wurde…

Von Renate

Die Reise war vollgepackt mit vielen Emotionen. Abgesehen von Blasen an den Füßen und Erschöpfungserscheinungen wünschte ich mir, der Weg möge nie zu Ende gehen. Wir waren erst fünf dann vier Frauen. Wir hätten unterschiedlicher gar nicht sein können,z B. das Alter, die Lebenserfahrung, die Konfession und vieles mehr. Aber auch hier stellte sich sofort eine wunderbare Verbundenheit ein. Wir mochten und schätzten uns, weil wir ein gemeinsames Ziel hatten, und einfach weil wir Menschen sind, weil wir leben, lieben, fühlen und träumen können. Das ist meine Erklärung: ich fühlte, ich bin ein Teil dieser großen Menschenfamilie. Natürlich stellte diese intensive Nähe auch eine besondere Herausforderung an mich. Obwohl ich mit allen Menschen ein tolerantes Miteinander pflege, musste ich feststellen, dass ich einige Male ziemlich genervt war. Ich fragte mich warum denn das? Ich bekam aus meinem Innern eine Botschaft , die da lautet: „Was dir bei anderen nicht gefällt, ist in dir stark verankert. Erst wenn du es bei den anderen – nur akzeptierst, ohne Wertung, wird es dir besser gehen. Dann werden deine alten Muster, die dich plagen und nicht loslassen und manchmal auch erschrecken, in dir erloschen sein“ . Das war ein magischer Augenblick. Es ging dann beschwingt weiter auf „meinen “ Lebensweg. Ich habe mich wohlgefühlt, zufrieden, aufgehoben und beschützt.

Weiter von Gabriele

Nach Rückers entfernt sich der Weg von der Autobahn und wir laufen durch den Wald, es gibt einige Anstiege, die aber bei der frischen Luft gut zu bewältigen sind. Wir tragen alle Regenmontur, so kann das Wetter tun, was es will. Bald erreichen wir den Haunestausee, dessen Nordseite wir zunächst auf der Anhöhe umrunden. Doch bald führt uns der Weg zum Seeufer und wir pausieren am Wasser. Am Südende des Stausees befindet sich eine Art Sumpflandschaft. Gut, dass es heute nicht so heiß ist! Das wäre hier sehr schwül geworden. Schön ist es, viel zu sehen, ruhig ist es. Am frühen Nachmittag erreichen wir Steinau und besuchen auch dort die Kirche. Dort wird gerade renoviert, der dortige Jakobus ist wegen Bauarbeiten abgebaut. Eine sehr nette Frau zeigt ihn uns auf Nachfrage in einem Pfarrraum.

Auch hier widmen wir uns wieder dem neuen Heilgebet und mir kommt die Idee, eine Form des Gruppenpilgerns heute zu nutzen, die wir bisher vernachlässigt haben: Schweigezeiten beim Pilgern, in denen jeder ausschließlich Zeit für das Betrachten der Landschaft und der eigenen Innenwelt hat.  Nach der Kirche gönnen wir uns eine Pause in einem Eiscafé und leisten uns neben einer großen Tasse Milchkaffee einen warmen Apfelstrudel mit Vanilleeis – genau das Richtige, um eine etwas eingeregnete Pilgerseele wieder in Form zu bringen. Hinter Steinau treffen wir auf eine Jakobus-Stele. Er nimmt hier durchaus Raum ein, ist in den Kirchen sichtbar.

Jakobus-Stele und Jakobs-Pilgerinnen

Wir beginnen unsere Schweigezeit und so freue ich mich, jetzt einfach mal für mich auszuschreiten, ohne großartig auf die Anderen zu achten. Wir halten mehr Abstand voneinander. Es tut uns gut. An einem Haus bei Götzenhof entdecken wir einen weiteren Pilgerfreund, ein Bild des Heiligen Christophorus – der Christusträger, Schutzheiliger der Pilger, der schon Jesus auf seinem Weg unterstützt hat.

Heute halten alle gut mit. Monika tut es gut, das Gewicht ihres Rucksackes reduziert zu haben. Die neuen Wanderstiefel passen ihr hervorragend und sind ohne jegliches Einlaufen ohne Probleme und Blasen tragbar. Wie schön!  Der Weg steigt jetzt langsam an. Es geht auf den Petersberg zu. Wir unterqueren die A7 und können nun die Autobahn verlassen. Wir umrunden den Rauschenberg und bald erreichen wir die ersten Häuser von Petersberg. Es ist ein sanfter Einstieg aus der Natur nach Fulda. Wir wollen uns auf jeden Fall die Grabeskirche St. Lioba anschauen und klettern steile Stufen hinauf. Auch hier, hoch über Fulda – ist die Kirche – eine romanische später gotische Kirche – noch offen und der Innenraum ist überwältigend. Erst stauen wir, dann setzen wir unsere stille Zeit fort, bis uns eine Nonne aus der Cella St. Lioba gegenüber andeutet, dass die Kirche jetzt abgeschlossen wird. Netterweise nimmt sie uns mit in die Cella, wo wir die Toilette benutzen dürfen. Alle dort sind total nett und freundlich. Pilgerinnen haben neben dem Geistigen auch  immer wieder andere Bedürfnisse…

Gegenüber der Cella befindet sich unterhalb der Kirche eine Mariengrotte. Ich warte dort, bei meiner lieben, lieben – was soll ich sagen – Vertraute, Freundin, Mutter, Lieblingsheiligen – ich mag sie einfach. Ich habe sie schon mehrfach besucht: Lourdes, Fátima, Tschenstochau, Montserrat…und auch viele kleinere Orte, wo die Menschen sie wählten als ihre Liebe Frau und Schutzherrin der Gemeinde oder des Klosters. Seele, finde Ruhe!

Von oben suchen wir mit den Augen den Dom. Dorthin geht es heute noch. Der Abstieg nach Fulda ist sehr angenehm, es geht eigentlich fast nur durch Parks – fast bis zum Bahnhof hin und der liegt am Rande der Innenstadt. Durch die Bahnhofsstraße über den Uniplatz, am Kloster der Benediktinerinnen vorbei und am Schloss und wir stehen vor dem Dom. Heute werden wir die Nacht in den Räumen der Dompfarrei verbringen, dort werden wir aufgenommen. Renate hat schon früh den Schlüssel besorgt und empfängt uns mit einem Strahlen. Sie hat heute bestimmt etwas Wundervolles erlebt!

Abendliches Entspannen in der Dompfarrei

Wir richten uns ein und gehen dann erst zum Einkaufen und anschließend zum Essen. Eine Frau vom Chor hat uns auf unsere Nachfrage ein kleines, preiswertes Lokal um die Ecke empfohlen, das wir auch finden. Stimmt, es ist jetzt kein romantisches italienisches Restaurant, aber die Pizza im Goldenen Anker ist lecker – und riesig! Wir alle lassen uns unsere Reste einpacken. Das gibt es dann morgen zum Mittag! Wir kehren wieder zurück in unseren schönen großen Raum in der Dompfarrei. Wir richten uns gemütlich ein und gehen zu unserem Abendprogramm über! Auch heute hat eine Flasche Rotwein zu uns gefunden…Wir lesen hier den zweiten Teil des Thierse-Mauerfalltagebuchs. Heute geht es um die große Demo am Alexanderplatz und die Grenzöffnung. Renate erzählt uns, sie war auch dabei. Wie aufregend diese Zeit war!

Ich kann heute sagen: Das Heilungsgebet hat wundervoll gewirkt. Wir hatten hier bestimmt den schönsten, den harmonischten Abend auf unserem Weg. Wir waren eins, keiner blieb außen vor. Wir lachten und unterhielten uns blendend. Das kann man sich daraus merken: Wenn Du ein Problem mit jemand hast, dann fange an, es bei Dir selbst zu lösen.

Pilger bereiten sich auf das Schlafen auf dem Fußboden vor

Es steht die erste Nacht auf dem Fußboden an, dafür haben wir unsere Matten mitgebracht, die jetzt aufgeblasen werden. Meine Matte und ich, wir sind gut vertraut! Renate braucht Hilfe beim Aufblasen, das geht nicht so, wie sie wollte. Sie hat später die Matte umgetauscht…. Wir räumen die Stühle beiseite und richten uns auf dem Teppich ein. Die Lesung und ein Abendgebet…

Eins sein

Gott, gib, dass wir eins sind: eins in unseren Worten, damit ein einmütiges ehrfurchtsvolles Gebet zu dir gelangt; eins in unserem Verlangen und unserem Streben nach Gerechtigkeit; eins in der Liebe, in der wir dir dienen, wenn wir den Armen und Geringen unter unseren Brüdern und Schwestern Gutes tun; eins in der Sehnsucht nach deiner vollkommenen Gegenwart. Herr, mache uns eins in dir. Amen. (Quelle mir unbekannt)

…und ein paar Kicherer noch. Es war wahrhaft ein schöner Abend!

EVANGELIUM                                                                               Mt 5, 13-19

Ihr seid das Licht der Welt

+ Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus

13Ihr seid das Salz der Erde. Wenn das Salz seinen Geschmack verliert, womit kann man es wieder salzig machen? Es taugt zu nichts mehr; es wird weggeworfen und von den Leuten zertreten. 14Ihr seid das Licht der Welt. Eine Stadt, die auf einem Berg liegt, kann nicht verborgen bleiben. 15Man zündet auch nicht ein Licht an und stülpt ein Gefäß darüber, sondern man stellt es auf den Leuchter; dann leuchtet es allen im Haus. 16So soll euer Licht vor den Menschen leuchten, damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen. 17Denkt nicht, ich sei gekommen, um das Gesetz und die Propheten aufzuheben. Ich bin nicht gekommen, um aufzuheben, sondern um zu erfüllen. 18Amen, das sage ich euch: Bis Himmel und Erde vergehen, wird auch nicht der kleinste Buchstabe des Gesetzes vergehen, bevor nicht alles geschehen ist. 19Wer auch nur eines von den kleinsten Geboten aufhebt und die Menschen entsprechend lehrt, der wird im Himmelreich der Kleinste sein. Wer sie aber hält und halten lehrt, der wird groß sein im Himmelreich.

Lehre des Tages: Jesus hat wie immer recht. Wenn man am Balken im eigenen Auge gearbeitet hat, dann stört einen der Splitter im Auge des Anderen nicht mehr. Ein guter Weg zu Frieden und Einheit.

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2. Juni 2011 Himmelfahrt! Messe und von Fulda nach Büchenberg

5 Jun

Von Gabriele

Christi Himmelfahrt ist Heute. Was für ein wundervoller Tag. Der Wecker klingelt um 7.30 Uhr, wir haben aber Zeit, da die Messe im Dom erst um 9:30 Uhr beginnt.

Das Leben ist schööön!!!! Unser Leitspruch unterwegs! Auch am frühen Morgen

Renate hat gestern für das Frühstück eingekauft. In der Küchenzeile im Vorraum bereiten wir uns ein hervorragendes Frühstück vor. Im Haus ist schon was los, der Chor probt für den Gottesdienst. Alle wissen, dass wir da sind und es kommt immer wieder jemand vorbei, um ns zu begrüßen. Wir frühstücken im Bastelraum zum Chorgesang. Wir scherzen ein wenig mit der herumstehenden Wodkaflasche über Lesyas wohl russischen Kaffee.

Kaffee mit Wodka 🙂 Zum Frühstück 🙂

Ja wirklich, das Leben ist schön, alle sind begeistert. Nach dem Frühstück beginnt das große Aufräumen, denn wir wollen alles picobello hinterlassen, damit die Leute hier Freude an den Pilgern haben. Abwasch, saubermachen, fegen, die Stühle wieder an den Platz räumen, lüften, Rucksäcke packen. Währenddessen bereitet sich die Dompfarrei auf Himmelfahrt vor. Es soll heute eine Flurprozession geben und vor dem Haus wird ein Fluraltar mit vielen, vielen Blumen aufgebaut. Wir sehen zu, dass wir niemandem groß im Wege rumstehen, bedanken uns nochmals bei den Anwesenden und wünschen einen schönen Himmelfahrtstag. Wir bedanken uns hiermit noch einmal herzlich bei der Dompfarrei, dass sie uns so nett die Räume zur Verfügung gestellt hat. Vergelt’s Gott!

Himmelfahrt 9.15 Uhr: 4 Pilgerinnen brechen dankbar auf

Himmelfahrt 9.15 Uhr: 4 Pilgerinnen brechen dankbar auf

Sehr frühzeitig gehen wir hinüber zum Dom, denn wir wollen gern einen guten Platz haben, von dem man alles sehen kann. Für die Anderen ist es die erste katholische Messe, die sie erleben werden und ich bin neugierig, wie es für sie werden wird. Der barocke Dom ist neben ihrer Funktion als Kathedralkirche des Bistums Fulda gleichzeitig die Grabkirche des Heiligen Bonifatius, dem sogenannten Apostel der Deutschen. Einen virtuellen Rundgang des Domes findet man hier. Vor dem Dom steht eine Tribüne mit einem Altar. Hier wird sicher auch ein Teil der Prozession stattfinden.

Himmelfahrt mit tiefblauem Himmel und Tribüne vor dem Dom

Wir parken unsere Rucksäcke an den großen Säulen und suchen uns einen Platz auf der linken Seite, weil dort eine wunderschöne Herz-Jesu-Statue ist. Ein wenig noch schauen wir uns die gewaltige Innenausstattung an, alles in Weiß und Gold und ein wenig Rot, ein wenig Schwarz.

Der prächtige Altarraum des Doms zu Fulda

Es wird immer voller und die Messe beginnt. Der Einzug ist riesig, da auch ganz viele Erstkommunionskinder und Fahnenträger mitkommen, die hinterher bei der Prozession dabei sein werden. Heute gibt es für meine anderskonfessionellen Mitpilgerinnen eine katholische Messe mit „allen Schikanen“: prächtige Gewänder, Baldachin, Weihrauch, starker Orgelklang, der klasse Chor (den wir ja schon kennengelernt hatten) und der  Bischof Algermissen von Fulda als Hauptzelebrant und Prediger. Viel feierlicher kann ein Gottesdienst kaum sein, dazu die gehobene Stimmung des Himmelfahrtstages, alle waren berührt. Wir wollten uns nicht an der Flurprozession beteiligen, wir hatten ja unsere eigene 🙂 und ab 12 Uhr noch 20 km auf dem Zettel. Nach dem Gottesdienst konnten wir gar nicht so schnell aufbrechen, weil einige von uns noch sehr mit sich beschäftigt waren nach diesem Gottesfest. Ich war voll Freude, Freude, Freude nach diesem Gottesdienst. Messe ist mir ein echtes Zuhause unterwegs.

3 Pilgerinnen scharen sich um Jesus - Stille und Andacht im Gesicht

Ein gemeinsames Foto vor diesem schönen Jesus scheitert, es wird leider unscharf. Schade! Wir treten aus dem Dom und suchen uns unsere Jakobsmuscheln. Der Weg aus Fulda heraus ist sehr einfach und wunderschön gewählt. Zunächst geht es rechts am Dom vorbei, dann durch eine alte Gasse namens „Tränke“ hinaus.

Die "Tränke" mit wundervollen Kletterrosen und malerischen Häusern

Am Ende der Tränke beginnen die Fuldaauen. Hier treffen wir die Flurprozession wieder, die mit Musik und Megaphon-Gebeten die vielen Menschen zusammenhält. Als sie an uns vorbeiziehen, singen sie gerade „Lobet den Herrn“, was wir alle kennen und mitsingen. So sind wir wenigstens ein wenig dabei.

Die Flurprozession in den Fulda-Auen

Vorn die Ministranten, dann ein wenig später die Musiker, dann wieder ein paar Ministranten und unter dem Baldachin der Priester, der die Monstranz trägt. Das muss mit der Zeit schwer sein: warmes Wetter, ein schweres Gewand und die Monstranz, die auf Brusthöhe getragen wird. Aber ich bin sicher, der Herr hilft ihm, so dicht, wie er bei ihm ist.

Der Priester mit der Monstranz

Da wir uns über die Prozession freuen und ihr ein wenig entgegen gehen, um sie noch anzuschauen, achten wir nicht so auf unsere Muscheln – und verlaufen uns prompt. Wir sollen nicht die Fulda-Auen durchqueren, sondern wir werden an ihnen eine Weile entlang laufen, schönste Pilger-Landschaft, die ein paar Meter nach dem Dom anfängt.

Auf Abwegen - im Hintergrund das Ende der Flurprozession

Hinter uns läuft eine Pilgerin und wir denken erst, na, dann sind wir richtig! Aber als wir umkehren und sie treffen, merken wir, dass sie uns nur hinterhergelaufen ist. Wir finden wieder unseren Weg und sie läuft flink mit ihren Trekkingstöcken uns voran. Der Weg ist herrlich – so durch das frische Grün und immer wieder am Wasser lang. Doch es herrscht natürlich Vatertagsstimmung auf dem Jakobsweg: viele Gruppen, viele Fahrräder, Eiswagen, Musik und natürlich einige feuchtfröhliche Herrentagsgruppen.

Blick zurück über die Auen auf den Fuldaer Dom

Wir nähern uns der Propstei St. Johannisberg, wo wir einige Pilgerzeichen entdecken. Hier sieht man auch eine gelb-blaue Jakobsmuschel. Bei meinem ersten Mal auf diesem Weg war ich nicht in Johannesberg gewesen, da ich aus Zeitmangel den Weg von Fulda bis nach Welkers mit dem Bus gefahren war. Wir steigen hinauf, vorbei am Hof der Propstei, wo in einem Biergarten eine ausgelassene Feiertagsstimmung herrscht. Wir laufen vorbei und suchen den Eingang zur Kirche. Durch einen schmalen Gang von der Kopfseite her ist das möglich. Drin ist es schön kühl. Ein beeindruckender Altar, ein stilles Gebet. Wir sind unterwegs…

Die gelb-blaue Muschel vom Jakobusverein Franken

Nach der Kirche sehen wir gegenüber wieder die gelb-blaue Muschel – und folgen ihr. Wir kommen an einer Mariengrotte vorbei und halten auch hier ein wenig an. Ich kann da schlecht vorbeigehen – doch lange verweilen möchte ich nicht, denn unser Weg ist noch weit und wir haben noch einen für mich wichtigen Programm-Punkt vor uns, die Rosenkranztreppe am Steinhauck. Doch es ist schwer, alle hier loszueisen. Wir treffen hier auch die Pilgerin von vorhin wieder. Monika spricht sie an und beide laufen gemeinsam los. Schön! So geht es vorwärts. Nach Johannesberg geht es aus der Stadt heraus und der Weg steigt an. Es geht auf den Wald zu, Fulda liegt bald in der Distanz hinter und unter uns.

Monika und Beate laufen vorneweg...

...Lesya und Renate hinterher... im Hintergrund Fulda

Besonders Renate macht der Weg wieder zu schaffen. Die Wärme und ihre Füße…und sie hat eine solch empfindliche Haut, dass sie direkte Sonnenbestrahlung darauf nicht vertragen kann. Ich habe ihr daher meine Spanienerprobte Funktionsjacke geliehen, mit der ich bei 40 Grad auf dem Camino Catalán unterwegs war. Sie muss in voller Montur laufen, während alle anderen sich inzwischen kurzärmelig und mit kurzen Hosen unterwegs sind. Lesya hilft ihr ein wenig:

Mit Anschub den Berg hinauf!

Haben wir mal wieder wundersame Wegvermehrung? Auch im Wald geht es immer weiter bergauf. Nach meiner Weginformation müssten wir nach 4 km in Eichenzell sein, aber das zieht sich hier hin. Irgendwann packt Beate ihre Karte aus. Nach den Hinweisschildern sind wir völlig falsch. Und da stellt sich unser fataler Irrtum heraus. Wir sind den falschen Muscheln gefolgt. Wir sind gerade unterwegs in Richtung Westen auf dem Jakobsweg in Richtung Frankfurt. Sowohl Beate wie ich – beide sind wir erfahrene Pilgerinnen -haben uns die bekannten Zeichen einfach für die unsrigen gehalten, statt weiter die blau-weißen Muscheln zu suchen!? In Johannesberg an der Propstei müssen wir falsch abgebogen sein. Das gibt mir zu denken! Vielleicht ist das auch ein Hinweis: Aus Gewohnheit orientieren sich gerade die Erfahrenen an bekannten Zeichen, statt auf das, was aktuell und wissentlich das Zeichen ist.  Fällt jemandem dazu etwas ein? Was kann uns das zur Ökumene sagen?

Ein paar Vatertagsradler kommen vorbei und orientieren uns. Wir müssen einfach jetzt links in Richtung Südosten abbiegen, um dann wieder nach Rothemann zu kommen. Als erstes durchqueren wir ein kleines Dorf. Dort fragen wir an einem Haus eine Frau nach Wasser. Die ersten beiden von uns erhalten ihre Flasche mit Leitungswasser gefüllt, die anderen nicht mehr, das ist ihr zuviel. Auch Wegeauskunft kann sie uns nicht weiter geben. Wir laufen ein wenig weiter und an einem anderen Haus – zum Glück – erhalten auch die Anderen frisches Wasser. An der kleinen Kirche pausieren wir, es ist jetzt schon 15 Uhr. Mist, so spät schon! Zwei Stunden haben wir gebraucht. Aber egal, wir holen jetzt die Pizzareste von gestern heraus und stärken uns erstmal. Das tut richtig gut! Beate bleibt jetzt bei uns und auch wir kommen ins Gespräch. Sie ist auch schon häufig auf dem Jakobsweg gepilgert, vor allem in Frankreich. Sie ist heute losgelaufen und ihr heutiges Ziel ist eine Pension ein Döllbach. Sie hat es sogar noch weiter als wir.

Die Leute am 2. Haus haben uns einen guten Rat gegeben, wie wir weiterkommen und wir laufen nun weiter in Richtung Hattenhof. Von dort aus ist es nicht weit bis nach Rothemann und dort werden wir wieder auf den Weg nach Büchenberg kommen. Und von Rothemann kann man auch noch zum Steinhauck zur Rosenkranztreppe aufsteigen. Das heißt allerdings, dass wir jetzt zügig voranlaufen müssen…was nicht geht. Sowohl Renate wie auch Monika kommen nur noch schlecht voran. In Hattenhof entdecken wir, dass man vor dort aus auch direkt nach Büchenberg laufen und so drei Kilometer einsparen kann. Renate will keine drei Kilometer Umweg für eine Rosenkranztreppe laufen, sie will nur noch ankommen. Ich muss meine Idee vom Steinhauck und meinem gelaufenen Himmelfahrtsrosenkranz fahren lassen. Sehr schade, das war mir sehr wichtig gewesen.

Kurz hinter Hattenhof gibt es einen Wegweiser, den man unterwegs mal einfach nur umtreten möchte. Der Weg nach Büchenberg zeigt mitten auf die Wiese, man kann nicht feststellen, ob der Weg nach links oder rechts gemeint ist, der nun nach Büchenberg führt. Rechts kann eigentlich nicht sein, denn das ist die Richtung nach Rothemann. Wir entscheiden uns für links und schon nach kurzer Zeit geht es bergan. Nun, das kann sein, denn unser heutiges Ziel heißt Büchenberg, und das liegt auf dem Berg. Nach einiger Zeit kommt uns eine Frau mit Hund entgegen. Ein Wegeengel – super! Und so begrüße ich sie auch: „Auf Sie habe ich die ganze Zeit gewartet!“ Sie lacht und muss uns trotzdem enttäuschen. Nein, wie sind nicht in Richtung Büchenberg unterwegs, sondern fast wieder in Richtung des anderen Jakobsweges, den wir vorhin verlassen haben. In ihrer Begleitung laufen wir den Anstieg wieder hinunter. Währenddessen telefoniert sie mit ihrer Mutter und dann passiert ein neues Wunder, vor allem für unsere Fußlahmen. Die Mutti will mit dem Auto kommen, sobald wir wieder unten an der Straße sind.

An dem trügerischen Wegweiser angekommen erfahren wir, dass wir tatsächlich nach links hätten abbiegen müssen und viel weiter hinten wieder nach rechts, so dass wir, hätten wir diagonal da entlang gehen können, den Wegweiser schon in der richtigen Richtung hatten. Wer soll das ahnen, wer soll das wissen? Aber das ist jetzt auch Vergangenheit, denn Mutti kommt und nimmt erstmal vier von uns mit. Ich bleibe mit der Frau auf der Straße und wir laufen gemeinsam mit dem Hund in Richtung Büchenberg weiter. Kurz darauf kommt die Mutti wieder und holt auch uns beide ab und bringt uns zum Bürgerhaus in Büchenberg, wo wir diese Nacht verbringen werden. Beate ist schon in Richtung Döllbach weitergelaufen. Das Haus ist offen und wir gehen erstmal rein und setzen uns hin. Eine große Mehrzweckhalle für Sport und mit Bühne, Duschen und Toiletten sind erstmal zu sehen. Das wichtigste geht, vor allem aber sind wir angekommen! GottseiDank!

Bald kommt eine Frau vor und stellt sich als Hannelore vor. Sie bezeichnete sich als die Küsterin des Bürgerhauses – ein Titel, den sie von einem Kind erhalten hatte und der wunderbar ihre Funktion beschreibt – und weist uns ein. Wir werden in einem schönen Raum im Obergeschoss schlafen und können Duschen und Toiletten unten benutzen. Wir fragten Hannelore, ob es in Büchenberg oder Umgebung ein Taxiunternehmen gab, da Renate auch für den morgigen Tag Unterstützung brauchte. Das mit den Blasen hörte nicht auf. Es sollte ja zudem auf den 900 m hohen Kreuzberg gehen! Sie würde später noch einmal zurückkommen und uns Bescheid geben. Dann zeigt sie uns die Küche und was die Büchenberger Frauen für uns vorbereitet hatten.

Auch in Büchenberg hat es eine Flurprozession gegeben. Und wie es im Fuldaer Land so Sitte am Himmelfahrtstag ist, gab es Flädlesuppe und Flurgönder (hier ist auch ein Bild). Das mag dem einen oder anderen nicht viel sagen, aber nach einem anstrengenden Pilgertag ist so etwas ein Wunderwerk menschlicher Kochkunst und GENAU das Richtige. Es waren, wie es aussah, selbstgemachte viereckige Nudeln in einer kräftigen Brühe mit einer Football-großen Wurst. Der Flurgönder ist eine sehr deftige Wurst in einem Schwartenmagen. Wir durften uns auch an den übrig gebliebenen Getränken bedienen. Es war ein Fest, ein wirkliches Fest! Wir aßen gleich in der Küche, um so wenig wie möglich Aufwand zu betreiben und in der Küche ist es sowieso immer gemütlich, es schien sogar noch die Sonne hinein. Die Büchenberger Frauen hatten auch für uns zum Frühstück reichlich eingekauft.

Ich habe zwischendurch ein wenig Zeit zum Lesen in der Sonne hinterm Haus. Ich hole mir das Heftchen der Bekennenden Kirche vor. Ein Artikel fällt mir sofort ins Auge, er heißt: Die (Heils-)Notwendigkeit der Kirche [Gemeinde]: römisch oder reformatorisch. Wechselweise stimme ich zu oder ich protestiere. Schon auf der 1. Seite stoße ich auf den Satz: „extra ecclesiam salus non est“ -„Außerhalb der Kirche ist kein Heil“ des Kirchenvaters Cyprian, um 200 Bischof in Karthago. Soviel Zufall kann doch gar nicht sein! Daher habe ich es also in Eisenach mitgenommen. Und: Ach herrje! In was für ein Nest setze ich mich denn nun gerade mit dem Satz, den ich in Luthers Schreibstube empfangen habe?

Nun, ich denke: Die Kirche ist der Ort, an dem wir Sakramente erhalten, Zeit für das Wort haben, für das Leben lernen, motiviert werden und Gemeinschaft finden. Doch Heil entsteht dann, wenn wir das, was wir dort aus der Lehre Jesu gelernt haben, im Leben direkt umsetzen. So war das nach meinem 1. Camino im Jahr 2007. Der Leiter des Pilgerbüros sagte uns bei der abendlichen Pilgerandacht über das spezielle Chrismon an der Westfassade der Kathedrale von Santiago, bei dem das Omega links und das Alpha rechts steht: „Ihr seid nun in Santiago angekommen, am Ende Eurer Reise. Eure Aufgabe ist es jetzt, im Alltag wieder anzukommen und dort das umzusetzen, was ihr auf dem Weg erfahren und gelernt habt. Vom Ende (Omega – das heißt auch „Der Große, Gott“) wieder zu einem echten Neuanfang im Leben kommen. Erst dann ist Euer Camino zuende.“ Es wirklich tun! Im Alltag Jesu Nachfolge, das höchste Gesetz leben – so verstehe ich: Im Leben (=Umsetzen) ist das Heil. Und so habe ich es auch erfahren.

Und dann komme ich in Gedanken wieder auf das Thema Ehe und Einheit der Kirche. Die Gemeinschaft der Kirche dürfte auch nicht auflöslich sein. Sowenig es im Katholischen eine Ehescheidung geben darf, sowenig darf man sich auch von seinen Brüdern trennen, sie exkommunizieren und so von Jesus trennen. Die Kirche macht es selbst nicht, was sie von den Ehepaaren verlangt. Und sie schafft es seit nunmehr fast 500 Jahren nicht, sich zu versöhnen. Dabei müsste doch Mt 5,23-24 gelten: „Wenn du deine Opfergabe zum Altar bringst und dir dabei einfällt, dass dein Bruder etwas gegen dich hat, so lass deine Gabe dort vor dem Altar liegen; geh und versöhne dich zuerst mit deinem Bruder, dann komm und opfere deine Gabe.“ Kann sich die Kirche noch als eingesetzt betrachten und die Welt Jesus als von Gott gesandt, wenn seine Kirche so unglaublich uneins ist, dass sie sich in dieser langen Zeit nicht wiedervereinigen kann? Was haben wir denn gekonnt, wenn wir Frieden und Vergebung predigen, er aber noch nicht mal im eigenen Haus umgesetzt wird?

Ich möchte mal ein Bild – aus dem Leben – zeichnen, das mir einfiel: Stellt Euch mal vor, Ihr feiert Hochzeit. Und Eure Freunde und Familie sind in mindestens drei Lager aufgeteilt und weigern sich, Eure Hochzeit gemeinsam mit Euch zu feiern, wenn sie dabei mit den anderen zusammenfeiern müssen. Ihr selbst habt sie aber alle gleich lieb, wollt keinen einzelnen von ihnen missen. Unendlich lange müsst ihr Euch das Gezicke anhören: „Mit denen setze ich mich nicht an einen Tisch!“ „Nee, so wie die sind und denken, das geht gar nicht!“ Euch ist es jetzt nicht völlig egal, wie jeder denkt. Ihr hättet sie halt einfach gern alle dabei, wünschtet Euch nur, sie würden Frieden untereinander halten. Wie würde es Euch dann gehen? Hättet Ihr noch Lust zum Feiern? Was sollte man tun? Das Hochzeits-Mahl aufteilen? Drei Hochzeiten feiern?

Im Leben ist das Heil – bei uns vieren! Wir leben hier Ökumene pur. Wir essen zusammen. Wir beten zusammen. Wir schlafen zusammen. Wir pilgern zusammen. Wir halten zusammen Gottesdienst. Wir sind dankbar für all die guten Menschen, denen wir begegnen, und das hat sich bei den Konfessionen nichts genommen. Wir freuen uns in Jesus Christus. Wir sind von Gott gesegnet und beschütz, in Ihm geborgen. Wie man sieht, bringt es Heil! 🙂 Ist es nicht das, was zählt?

Hannelore kam später noch einmal wieder. Sie bot Renate an, sie selbst zum Kreuzberg zu bringen. Noch mehr Engel! Dann würde Renate mit den Rucksäcken zum Kreuzberg fahren und wir würden erleichtert uns am nächsten Tag auf den Weg machen. Wir sammelten alle zusammen, damit wir der Gemeinde für all die guten Taten eine Spende hinterlassen konnten.

Ich musste doch noch dem Jakobus aka Santiago in Büchenberg einen Besuch abstatten und mich für die tolle Aufnahme hier bedanken!

Nach dem Essen flitzte ich dann zur Kirche, damit wir noch unsere Stempel für unsere Pilgerpässe erhielten, denn dies hier war eine Jakobuskirche. In der Kirche, es war kurz vor sechs Uhr, traf ich die Küsterin der Kirche. Wir kamen in ein sehr schönes Gespräch. Sie selbst bezeichnete sich als eine einfache Frau, die aber – verwitwet – mit diesem einfachen Leben sehr zufrieden war. Sie war immer gern in der Kirche und hatte durch ihre Arbeit eine sehr, sehr persönliche, tiefe  Beziehung mit Jesus im Tabernakel entwickelt, was ihr Halt, Quell der Freude und Zufriedenheit war. Wir unterhielten uns noch lange, ein ganz lieber Mensch! Das gehört für mich zu den schönsten Erlebnissen des Pilgerns: Mit den Menschen vor Ort ins Gespräch kommen und die ganz persönlichen Glaubenserlebnisse miteinander teilen und zu fühlen, wie ganz normale Menschen tief und zufrieden im Glauben leben.

Mit meinen Flip-Flops flitzte ich wieder zum Bürgerhaus zurück. Da hielt auf der Straße ein Auto an. Eine Frau fragte, ob ich eine der Pilgerinnen war. Nun traf ich auf Frau Goldbach, die Pfarrsekretärin, mit der ich diese Übernachtung ausgemacht hatte. Auch mit ihr führte ich auf der Straße lange ein so nettes, herzliches Gespräch. Ich konnte mich bei ihr gleich für die warmherzige Aufnahme in Büchenberg bedanken und erzählte ihr, wie uns die Frauen von Büchenberg so wunderbar geholfen hatten und was uns alles an Wundern passiert war.

Also: Ein riesiges Lob für die Büchenberger Frauen! Die vier Pilgerinnen danken von ganzem Herzen. Wir haben auf dem Rest der Reise mit sehr vielen guten Gedanken für Sie alle gebetet.

Heute war die zweite Nacht auf dem Fußboden angesagt und wir packten wieder Schlafsäcke aus und pusteten die Matten auf, damit wir es in der Nacht bequem hätten.

Hier kamen wir sehr gemütlich in Büchenberg unter

Da die Rosenkranztreppe am Steinhauck dem Verlaufen zum Opfer gefallen war, beteten wir an diesem Abend den Rosenkranz mit speziellen Geheimnissen zur Einheit, die ich für diese Reise zusammengestellt hatte und so auch schon als Novene zur Vorbereitung auf unsere Pilgerweg hin gebetet hatte. Er machte uns still und friedlich. Zum Abschluss gab es noch die Lesung des Tages mit Jesus großem Versprechen: Ich bin bei Euch alle Tage. Heute war das auf diesem Berg hier ganz deutlich gewesen!

EVANGELIUM                                                                              Mt 28, 16-20

Mir ist alle Macht gegeben im Himmel und auf der Erde

Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus

In jener Zeit 16gingen die elf Jünger nach Galiläa auf den Berg, den Jesus ihnen genannt hatte. 17Und als sie Jesus sahen, fielen sie vor ihm nieder. Einige aber hatten Zweifel. 18Da trat Jesus auf sie zu und sagte zu ihnen: Mir ist alle Macht gegeben im Himmel und auf der Erde. 19Darum geht zu allen Völkern, und macht alle Menschen zu meinen Jüngern; tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes,20und lehrt sie, alles zu befolgen, was ich euch geboten habe. Seid gewiss: Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt.

Lehre des Tages: Liebgewonnene Gewohnheit bestimmter Zeichen kann gerade Erfahrene vom Weg abbringen, wenn sie nicht aufmerksam in der Gegenwart sind und auf die Zeichen der Zeit achten. Doch der Herr ist bei uns alle Tage und hilft uns z.B. mit Hilfe lieber Menschen auf den Weg zurück.

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