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Einheit ist kein Ziel, sondern eine Art zu reisen – Gemeinsam

25 Sep

Jesus in der Kathedrale von Barcelona: Hier drauf kommt es an!

Einheit ist kein Ziel, sondern eine Art zu reisen.

Man kann Einheit nicht getrennt herstellen noch mit Werkzeugen der Trennung.

Jesus weist in der Regel auf sein Herz und nicht auf seinen Kopf.

“When the power of love overcomes the love of power, the world will know peace.” Wenn die Macht der Liebe die Liebe zur Macht überwindet, wird die Welt Frieden kennen.
Jimi Hendrix

Ein Jahr später: Himmelfahrt 2012

17 Mai

Von Gabriele

Es ist ca. ein Jahr seit unserer Pilgerwanderung vergangen, in dem diese Reise nachklang. Ein solches Vorhaben bleibt nicht ohne Folgen auch für den eigenen Lebensweg! Zur Zeit sind Lesya und Renate auf dem Jakobsweg in Spanien, sie erfüllen sich jetzt ihren großen Traum vom Pilgern, für den sie im letzten Jahr Mut gefasst haben.

Ich selbst habe in diesem Jahr viel über Einheit gelernt. Von meinen Klienten, aus meiner Familie und vor allem aus meiner Partnerschaft. Ich habe eine etwas unheilige Vergangenheit. habe gegen Gottes Ordnung gesündigt. Ich habe nicht kirchlich geheiratet, sondern nur standesamtlich. Als ich heiratete, habe ich dies mit bestem Willen und viel Engagement für eine funktionierende Beziehung getan, aber auch mit dem Wissen, wenn es nicht klappt, dann lassen wir uns wieder scheiden. So, wie das viele Ehepaare in meiner Umgebung getan haben, unter anderem meine Eltern. Meine Ehe ist kirchenrechtlich für nichtig erklärt worden, weil ich zur Zeit der Eheschließung nicht die Unauflösbarkeit der Ehe angenommen habe. Ich lerne nun, wie das geht mit der Unauflösbarkeit. Ein wichtiger Teil davon ist das „Ja, mit Gottes Hilfe“. Das habe ich damals nicht ausgesprochen.

Denn im Prinzip kann es auch keine Auflösbarkeit der Kirchengemeinschaft geben, d.h. die Kirchenspaltungen sind im Großen genau so ein Verstoß gegen die göttliche Ordnung wie eine Scheidung im Kleinen zwischen zwei Menschen.  Wie kann man den Leib Christi spalten? Was wird dem Herrn damit angetan? Was war so wichtig? Und doch ist es geschehen. Ich kann mir vorstellen, dass durch diese menschlich herbeigeführten Spaltungen der Schutz und das Maß der Gnade für die Christenheit zurückgezogen wurde, so dass es zum jetzigen Zustand kam:

Auflistung der christlichen Konfessionen

In diesem Jahr wurde mir ein schrittweiser Weg gezeigt.

  1. Einheit im Geist herstellen, geistig gesund werden
    Durch einen schizophrenen Patienten wurde mir klar, dass ihm die Einheit im Geiste fehlt, was ja auch der Name der Krankheit sagt (griech. schizein = schneiden, phren = Gehirn). Zu den Symptomen der Schizophrenie gehört die sog. Positivsymptomatik wie Denkstörungen wie Wahnbildung und das Hören von inneren Stimmen, die nicht als dem eigenen Ich angehörig angesehen werden; Ich-Störungen wie Gedankeneingebungen;  Sinnesstörungen; Konzentrationsstörungen; Unruhe.  Aber auch die Negativsymptomatik wie Affektverflachung, Antriebsarmut, Freudlosigkeit und Asozialität. Mir fiel immer mehr auf, dass diese Symptome sich nicht nur auf Schizophrene begrenzen, sondern wir im Grunde genommen fast alle unter Wahnvorstellungen leiden, in vielem sogar kollektiven Wahnvorstellungen. Anders kann man z. B. die vielen Ängste und andere Emotionen nicht erklären, die zu der heutigen Verteilung von Armut und Reichtum in dieser Welt geführt haben, aber genauso die Affektverflachung gegenüber der immensen und todbringenden Not von so vielen Menschen in dieser Welt, die wir ständig hinzunehmen bereit sind (mehr dazu hier). Die meisten von uns haben selbst einen geteilten Geist, denken nicht zu Ende. Ein jeder prüfe sich mal selbst. Wir sind alle geisteskrank, individuell und kollektiv.Doch mit Gottes Hilfe kann die Einheit im Geiste wiederhergestellt werden. Dann werden wir stets auf  das Wohl aller Beteiligten achten und es gäbe weder Armut noch Reichtum, weil wir einander als Teil des göttlichen Ganzen sehen, wo keiner ohne den Anderen vollständig ist. Einheit im Geist herzustellen, damit wir Einheit denken können, ist der erste Ansatzpunkt.

    Als ich unterwegs nach einem misslungenen Abend mal wieder in Trennungslust Gott fragte, was ich nun tun sollte, da fiel mir an der Hauswand gegenüber dieses Schild plötzlich auf. Noch Fragen?

  2. Keine gegenseitigen Schuldzuweisungen und Versöhnung „bis der Arzt kommt“
    Keiner von uns ist ohne Sünde. Auch die Konfessionen untereinander nicht und keine Konfession gegenüber Gott, was die Spaltung angeht. Keiner ist besser als der Andere oder hat mehr Recht. Die Einheit steht im Vordergrund, die Unversehrtheit des Leibes Jesu. Denn ob nun Jesus nun auf dem Altar der Rechthaberei und Besserwisserei, der eigenen Überzeugungen, liebgewordener Traditionen, des Fanatismus, des Konkurrenzdenkens, eines drohenden Imageverlustes, der Macht oder was auch immer geopfert wurde: Fakt ist, dass sein Leib durch die Christenheit selbst gespalten wurde. Die Kreuzigung hat offensichtlich nicht gereicht.
    1. Johannes (Einheitsübersetzung): 7 Wenn wir aber im Licht leben, wie er im Licht ist, haben wir Gemeinschaft miteinander und das Blut seines Sohnes Jesus reinigt uns von aller Sünde. 8 Wenn wir sagen, dass wir keine Sünde haben, führen wir uns selbst in die Irre und die Wahrheit ist nicht in uns. 9 Wenn wir unsere Sünden bekennen, ist er treu und gerecht; er vergibt uns die Sünden und reinigt uns von allem Unrecht. 10 Wenn wir sagen, dass wir nicht gesündigt haben, machen wir ihn zum Lügner und sein Wort ist nicht in uns.
    Aus irgendeinem Grunde hat es im entscheidenden Moment an Versöhnung gefehlt, zu der uns Jesus uns aufgerufen hat. Matthäus 5: 23 Wenn du zum Altar gehst, um Gott deine Gabe zu bringen, und dort fällt dir ein, dass dein Bruder oder deine Schwester etwas gegen dich hat, 24 dann lass deine Gabe vor dem Altar liegen, geh zuerst hin und söhne dich aus. Danach komm und bring Gott dein Opfer. Danach begeht eigentlich keiner eine gültige Eucharistie.
    Da wir aber alle Sünder im Bezug auf die Einheit sind und uns schuldig gemacht haben,  kann keiner keinem etwas vorwerfen und sollte es nach dem Gleichnis vom hartherzigen Schuldner auch nicht. Manchmal würden wir das gern, vor allem wenn wir umgekehrt sind und endlich mal ein paar Sachen richtig machen, denn … die größten Kritiker der Elche waren früher selber welche. Ein solches Verhalten entspricht dem Pharisäer in Lukas 18, 9 – 14. Jesus hat uns eine deutliche Spur hinterlassen.
    Das Einzige, was mir in Konflikt-Fällen mit Trennungslust bleibt, das ist: „Lieber Gott, ich habe wirklich gar keine Ahnung, wie ich mit dieser Situation klar kommen oder was ich tun soll, aber Du weißt es. Bitte zeige mir doch wie! Bitte versöhne uns!“ Und dann so lange weiterbeten und bitten, bis eine Lösung da ist.  Es gibt ein schönes Lied aus Taizé, dass man dann stundenlang singen kann: „Aber Du weißt den Weg für mich!“Gott zeigt sich mir als sehr erfinderisch, wenn es um solche Fragen geht. Mir schickt er oft am nächsten Tag einen Patienten vorbei, bei dem es dann genau um das Problem geht und ich vielleicht das ganze einmal aus genau der anderen Perspektive sehen und verstehen kann, ohne betroffen oder verletzt zu sein, sondern im Mitgefühl zu diesem Patienten.
    Wir können uns auch darüber klar sein, dass nicht der andere Mensch böse ist, sondern der, der von ihm in dem Moment Besitz ergriffen hat.  Davor ist keiner gefeit. Aber dieser Gedanke kann uns immer die Tür zur Vergebung öffnen. Wer das Lied singt, „Christus dein Licht verklärt unsre Schatten, lasse nicht zu, daß das Dunkel zu uns spricht.“ kann vielleicht nach einer Weile dieses Bild sehen.
  3. Selbstversöhnung
    Was mir auch als ein entscheidend wichtiger Schritt vorkam, das war die Versöhnung mit mir selbst. Wie viele Menschen litt ich unter Selbsthass und wurde erlöst. In diesem Zusammenhang sehe ich auch hier die Versöhnung der Kirchen mit sich selbst und mit Gott. Wieder individuell und kollektiv.  Alles, was in uns selbst versöhnt ist, das tragen wir auch keinem Anderen nach, das trennt uns nicht vom Anderen. Mir wurde dabei klar, dass Gott diese Versöhnung herbeiführt. Wir brauchen ihn nur darum zu bitten.
  4. Vertrauen – Fürchtet Euch nicht!
    In einer Vision sah ich „Gottvertrauen und Glauben“ als einen tropischen Regenwald in all seiner grünen, glitzernden Fülle. Mit Tieren und mit Blüten, frühlingshaft warm und wunderschön. Und es gibt zwei Möglichkeiten, durch diesen Urwald zu laufen: voller Angst vor den Schlangen und sonstigem Getier, Angst vor Angriffen, die hinter jedem Baum lauern könnten oder voller Freude über die Blüten und die bunten Vögel, dem faszinierenden Klang lauschend, und über all das Wundervolle und Überraschende, was man hier zu sehen bekommt. Wenn wir Gottvertrauen haben, dann lauert nicht hinter jeder Ecke etwas Schreckliches, sondern etwas Freundliches oder etwas Schönes. Bauen wir unseren Ängsten keinen Tempel. In der heiteren Erwartung des Guten, das uns die Einheit bringen wird, sollten wir uns nicht vorab Sorgen machen und in der Einheit mit einen Dschungel voller Gefahren rechnen.  Wir werden es nicht allein tun, so wie es uns jetzt oft scheint. Mit der Einheit erfüllen wir den Willen Gottes und unterstellen uns ihm wieder. Haben wir denn etwas zu verlieren oder alles zu gewinnen? Rechnen wir mit der Schlange (Satan) statt des Fisches (Jesus), mit dem Skorpion statt des Eis? Ja, in Gott liegt Gnade, Fülle und Großzügigkeit, damit dürfen wir rechnen.
  5. Bedingungslosigkeit und Vorbehaltlosigkeit
    Papst Benedikt XIV. hat im letzten Jahr noch einmal die Anerkennung der Primatsfrage durch die anderen Konfessionen als Vorbedingung für die Einheit gestellt. Und andere Konfessionen stellen andere Bedingungen. Es geht aber offensichtlich um den bedingungslosen, vorbehaltlosen Entschluss zur Einheit. Wer weiß denn schon, was dran ist, wenn Gott die Einheit wieder hergestellt hat? Es könnte sich um den Moment der Wiederkehr des Herrn auf unsere Erde handeln, die er selbst angekündigt hat in Matthäus 24. Dann bräuchten wir z.B. keinen Papst.  In keiner Ehe und auch bei Taufe und Firmung weiß man nicht vorher, worauf man sich einlässt. Das Sakrament der Ehe ist bedingungslos, ansonsten ist es nichtig. „Lass Dein Leben sich entfalten!“ Das war mir eines der größten Lehrstücke beim Pilgern. Kontrolle aufgeben. Wir sind eh nicht in der Lage, die Dinge zu kontrollieren. Das kostet gewaltige Kraft, die uns sonst für das Gute fehlt.
    Und es hat es auch schon gegeben, dass Gott einem Menschen mit einem Amt die Gnade entzogen hat und einen anderen Menschen erwählt hat wie bei Saul und David. Und wenn wir die Geschichte der Königsernennung erinnern, dann wollte Gott das eigentlich sowieso nicht (1. Samuel 8). Dasselbe finden wir auch in der Offenbarung im Kapitel 21. Für mich gibt es da durchaus Ungereimtheiten, denn ich finde nichts von einer Nachfolgeregel für Petrus als Wort Jesu. Aber dies ist nur ein – prominentes – Beispiel ich meine damit alle Vorbehalten und Vorbedingungen für die Einheit – es muss ein vorbehaltloses und bedingungsloses „Ja, mit Gottes Hilfe“ werden. Wie soll allein Gottes Wille geschehen, wenn wir selbst Bedingungen und Vorbehalten stellen?
    Und was werden wir dann ohne unsere Bedingungen und Regeln und Regelungen? Wir werden dann im Chaos versinken? Keine Angst! Da sind wir ja schon!
  6. Gott will immer das Beste für uns! Hör nicht auf zu träumen von einer besseren Welt!
    Nach meiner Erfahrung will Gott immer das Beste für uns, die zweitbeste Lösung scheint mir nicht in seinem Sinne zu sein. Daher „stupst“ er uns immer wieder an, damit wir eine gute Lösung finden und auch uns selbst entwickeln. Er will z.B., dass wir unsere Ängste verlieren, liebevoller handeln, barmherzig sind, besser mit uns selbst und anderen umgehen, auf das Ganze achten. Dass wir reichlich haben an Glaube, Liebe und Hoffnung. An einem dunklen Tag, an dem ich besonders zweifelte, hörte ich das Lied „Bitte hör nicht auf zu träumen von einer besseren Welt, fangen wir an aufzuräumen!“. Gibt es eine bessere Lösung? Warum sie nicht umgehend anstreben…Gibt es einen besseren Weg? Warum ihn nicht gehen?
  7. Liebst Du Jesus Christus?
    Die entscheidende Frage zur Wiedervereinigung scheint mir aber weiterhin die Frage zu sein: Liebst Du ihn? Und wer Jesus liebt, der wird ihn nicht mehr in seinem
    geteilten Leib belassen wollen. Liebst Du also Jesus Christus oder liebst Du die Organisation (für die Kleriker) bzw. die Konfession (für die Laien), der Du angehörst? Was ist Dir wichtiger? Was ist wichtiger? Form oder Inhalt? Die Konfession ist die Form, Jesus Christus der Inhalt. Ich finde: Keine Konfession ist so wichtig wie Jesus Christus und seine Unversehrtheit und die Einheit seines Leibes! Und ich finde es tatsächlich dringend und an der Zeit, diese Einheit der Christen herzustellen und nicht im „Winter der Einheit“ (Bezeichnung von Kardinal Kasper bei seinem Vortrag in Berlin) zu verharren.
  8. Die Einheit der Christen - die Perle im AckerWenn man keine Alternative hat…
    In der „Pilgerherberge im Alltag“ hielten Jana und Kerstin Hoffmann einen Vortrag über ihr Wandern und Pilgern in Norwegen. Ihr Weg war wirklich schwierig gewesen. Sie zeigten ein Bild, da mussten sie mit schwerem Rucksack an einem schmalen Überstand direkt an einer Felswand sich entlang hangeln, um endlich nach 10 Stunden Wanderung in der Hütte anzukommen. Wir fragten sie, wie sie das bewältigt hatten. Jana sagte: „Außer der Hütte gab es kilometerweit nichts. Wir hatten keine Alternative. Ich habe dort die Erfahrung gemacht: Wenn man keine Alternative hat, dann entwickelt man eine große Kraft zur Bewältigung des Weges, der gerade vor einem liegt!“ Danke Jana! So ist es. Es gibt keine Alternative zur Wiedervereinigung der Christen, keinen Plan B.   Gott wird uns diese Kraft schenken – da glaub ich fest dran! Die Wiedervereinigung der Konfessionen ist die „Perle im Acker“. Wir sollten alles darauf setzen. Es ist Jesus ausdrücklicher Wunsch.
  9. Weil es sich bewährt hat…
    In einem Gespräch mit einem Bekannten über Männer und Frauen im Zusammenhang mit einer Flut von Trennungen in unserer gemeinsamen Umgebung stellte dieser mir die Scherzfrage: „Warum unterdrücken die Männer seit 5000 Jahren die Frauen?“ Antwort: „Weil es sich für sie bewährt hat!“ Was aber nicht heißt, dass diese Unterdrückung für alle Beteiligten/Betroffenen sinnvoll, lebensfördernd, liebevoll, gerecht, fair, wertschätzend, gesund und gottgewollt ist. Traditionen mögen ihren Sinn haben, sicherlich für einige, sicherlich immer für die Mächtigen, aber sie dürfen auch auf Allgemeingültigkeit mit den im letzten Satz benannten Qualitäten hinterfragt werden. Was sollte man also mit den Traditionen tun, die dem nicht standhalten? Wohlgemerkt: Ich stelle Traditionen in Frage, keine Gebote, nicht das Wort. Jesus spricht, man soll neuen Wein nicht in alte Schläuche füllen, sondern neuen Wein in neue Schläuche. Der Schlauch, d.h. die Form ist nicht das Entscheidende. Formen dürfen verändert werden. Das Problem von altem Wein ist zudem, dass er ja irgendwann ausgetrunken ist. Wer am alten Wein und damit den alten Schläuchen festhält, hat irgendwann nichts mehr. Beispiel: der Priestermangel in der katholischen Kirche. Neuer Wein wächst immer nach, das ist der Weg des Lebens. Daher meine ich, dass Traditionen kein Grund sein dürften, auf einer Fortsetzung der Trennung zu beharren. Und wenn man sich den Mann-Frau-Diskurs ansieht z.B. dann hat Petrus in der Apostelgeschichte Gottes Wort durch den Propheten Joel zitiert: 2,18 Über alle, die mir dienen, Männer und Frauen, gieße ich zu jener Zeit meinen Geist aus und sie werden als Propheten reden.“ Welcher Mensch wollte da noch einen Unterschied machen? Aber dies ist nur ein Teil und ich will hier keine spezielle Betonung auf den Feminismus legen, es gibt viele dieser Themen.
  10. Es kann auch schnell gehen!
    Der Auszug der Israeliten aus Ägypten von immerhin 600.000 Menschen wurde innerhalb weniger Tage vorbereitet. Die Einheit Deutschlands wurde innerhalb eines Jahres nach dem Fall der Mauer realisiert. Der Weg ins gelobte Land dauerte dann etwas länger und enthielt noch einige Lektionen. Doch die hätte man in den Häusern Ägyptens nicht erlernen können. Bis alle Verwaltungsprozesse in Deutschland angeglichen, alle Brücken wieder überquerbar waren, alles Trennende beseitigt war – vor allem in den Köpfen – hat es seine Zeit gedauert. Ohne die Wiedervereinigung vorher wäre es gar nicht möglich gewesen. Die Wiedervereinigung steht am Anfang und dann kommt der Wandel. Gott wird vor uns herwandeln und uns dabei verwandeln.

Die Vision

Ich hatte vor kurzem eine Vision, wie die Einheit der Christen wieder hergestellt werden kann. Alle Konfessionen dieser Welt feiern zu einer Stunde eine Abendmahlsmesse.  In dieser Messe werden in einer weltweit vereinbarten Minute (wir haben inzwischen die technischen Mittel dafür) der Gemeinde die Frage gestellt: „Wollt Ihr die Einheit der gesamten Christenheit, in guten wie in schlechten Tagen, ohne Bedingungen und Vorbehalte, von jetzt an bis in alle Ewigkeit, so sprecht „Ja, mit Gottes Hilfe!““ Und die Gemeinde antwortet darauf „Ja, mit Gottes Hilfe!“ Und dann ein gemeinsames Bittgebet: „Lieber Gott, bitte versöhne jetzt die gesamte Christenheit miteinander und mit Dir und schenke ihr Einheit nach Deinem Willen!“  Das anschließende Abendmahl wird allen ohne Ausschluss gewährt in beiden Gestalten. Es ist organisierbar. Ich glaube ganz fest daran, dass Gott darauf reagieren wird und es kann tatsächlich heute niemand ahnen oder nur abschätzen, was dann passieren wird. Ich bin auf ein großes, ein riesengroßes Wunder gefasst. Das Datum? Heiligabend 2012. Wie wichtig für alle Christen eine Beteiligung an diesem Vorhaben ist, dazu wurde mir des Gleichnisses von den rechten Gästen (Lukas 18, 16 – 24) aufgezeigt.

Nada me separará – nichts wird mich trennen!

Was nach der Pilgerreise geschah

5 Jun

Von Gabriele

Am 10. Juni 2011 hielt ich in der „Pilgerherberge im Alltag“ einen spontanen Vortrag, da wir aus technischen Gründen auf den Hauptvortrag des Abends warten mussten. Aus dem Vortrag heraus ergab sich im bei http://www.pilgerforum.de eine interessante Diskussion.

Daraus resultierender Thread im Pilgerforum

In einer Behandlung kurz nach der Pilgerreise habe ich eine Vision von unserer Reise. Die Person, die ich behandle, neigt dazu, sich durch Angst in Käfige von inneren Vorschriften und Absicherungsverhalten – vor allem finanziell – einzusperren (es ist genug Geld da). Plötzlich sehe ich mich und ihn in Point Alpha innerhalb des Zaunes. Draußen steht Jesus neben dem Birkenkreuz – wie Winfried damals. Ich bitte ihn: „Bitte heile ihn, befreie ihn aus seinem Gefängnis“! Jesus sagt: „Nur zu!“ Da frage ich: „Kommst Du rein, oder sollen wir rauskommen?“ Da sagt Jesus: „Nein, kommt Ihr rein.“ Da begriff ich: Durch die Gefängnisse, in die wir uns aus unterschiedlichen Gründen einsperren, mit denen trennen wir uns vom großen Ganzen ab.

Ende Juli bis  Mitte August war ich auf dem Jakobsweg in Frankreich unterwegs und pilgerte von Strasbourd nach Taizé und besuchte die dortige ökumenische Gemeinschaft. Unterwegs gab es zwei besondere Erlebnisse für mich zum Thema Ökumene.

In Notre Dame de Schauenberg hatte ich ein wundervolles Gespräch mit der dort lebenden 85-jährigen Schwester Eugenie. Am Frühstück sagte sie zu mir einen denkwürdigen Satz: „Mit den Konfessionen der Menschen, die hier herkommen, ist mir das egal. Wenn wir sterben, dann stehen wir alle vor dem gleichen Gott. Warum nicht schon vorher?“ Eine weise Frau, oder?

Der Altarraum der Versöhnungskirche von Taizé gehört Gott allein mit Kreuz und Licht

In Taizé war ich begeistert davon, wie weit Ökumene dort im Tagesgeschehen und in den Gebetszeiten umgesetzt ist. Täglich kommen dort drei Mal viele Hundert vor allem junge Menschen aus allen Konfessionen in der Versöhnungskirche zum Gebet zusammen. Es gibt eine Lösung für das Abendmahl, bei dem keiner ausgeschlossen wird. In der Mitte der Kirche sitzen die in Weiß gekleideten Brüder der Gemeinschaft Taizé – ohne für den Teilnehmer sichtbare Hierarchie (wie es intern aussieht, das weiß ich natürlich nicht). Die Messe lebt von den Beiträgen vieler Brüder, die in den unterschiedlichsten Sprachen singen und Bibellesungen und Fürbitten vortragen. Der Altarraum war für Gott allein, die Blicke richteten sich auf keinen Menschen, sondern auf das Kreuz und auf das warme Licht der Kerzen. Am Ende ziehen die Brüder gemeinsam während des letzten Liedes aus.

Hier erinnerte ich mich blitzartig an den Schwarm weißer Vögel, den ich bei der Überquerung der Brücke der Einheit gesehen hatte. Sie hatten auch keine sichtbare Hierarchie, aber ihr Flug deutete auf einen inneren Zusammenhalt und eine innere Abstimmung hin, die sie auch sehr komplexe Flugbewegungen machen ließ.

Seit dem 19. September nehme ich – sooft ich Zeit habe – an der Mittagsandacht der Taizé Gemeinschaft in der Marienkirche am Alex teil, die gerade den Pilgerweg des Vertrauens in Berlin vorbereitet. Auch hier sehe ich diese – wie ich finde: wohltuende – Form der Gemeinschaft. Auch in unserer Kirche bereiten wir den Pilgerweg des Vertrauens der Gemeinschaft Taizé vor und veranstalten nun Taizé-Andachten.

Der Papst war in Deutschland. Mit dem Thema Ökumene befasste er sich hauptsächlich bei seinem Besuch in Erfurt. Der Fortschritt wird unterschiedlich beurteilt. Eine Annäherung vor allem bei der gemeinsamen Kommunion konfessionsverschiedener Paare hat es nicht gegeben, was sich viele für diesen Besuch gewünscht haben. Ich war bei der Messe am 22.9. im Olympiastadion dabei, denn gerade bei Meinungsverschiedenheiten- und die gibt es ohne Frage – ist eine gemeinsame Messe das Richtige. Und natürlich bitte ich, wie auf dem Kreuzberg gelernt, um Gottes Segen für ihn.

Derzeitiger Stand der Ökumene:

Frau Käßmann in Christ&Welt: „Auf der anderen Seite können wir nicht daran vorbei, dass es bei den Themen Papsttum, Kirchenverständnis, Ablass, Marienverehrung, Zölibat, Frauenordination und Priestertum aller Getauften Differenzen zwischen den Kirchen gibt, die wir nicht überspringen können. Mir liegt aber daran zu sagen, dass die Unterschiede aus evangelischer Sicht eine Einheit in versöhnter Verschiedenheit nicht verhindern. “

Bischof Müller hat das Erfurter Treffen von Papst Benedikt XVI. mit Vertretern der evangelischen Kirche als „Sternstunde der Ökumene“ bezeichnet (Passauer Neue Nachrichten). Er meint, Voraussetzung für die volle Einheit der Kirche sei eine tragfähige Übereinkunft in bisher trennenden Glaubensfragen. «Versöhnte Verschiedenheit» könne nicht das Ziel sein. (epd)

Papst Benedikt XVI. in Freiburg zu Vertretern der orthodoxen Kirche: „Ebenso wichtig bleibt die Weiterarbeit an der Klärung theologischer Differenzen, weil deren Überwindung für die Wiederherstellung der vollen Einheit, die wir erhoffen und um die wir beten, unerläßlich ist. Hier ist es vor allem die Primatsfrage, um deren rechtes Verständnis wir weiter ringen müssen. Dabei können uns die Gedanken zur Unterscheidung zwischen Wesen und Form der Ausübung des Primates, die Papst Johannes Paul der II. in der Enzyklika Ut unum sint (N. 95) vorgenommen hat, weiterhin fruchtbare Anstöße geben.“

Quelle: Enzyklika Ut unum sint

1.11.2011

Zu „Im Leben ist das Heil“:

Lebe das, was du vom Evangelium verstanden hast. Und wenn es noch so wenig ist. Aber lebe es.

Frère Roger, Communauté Taizé

Zu Primat des Papstes:

Das Einzige, um das uns niemand beneidet, ist der letzte Platz, darum gibt es auf diesem Platz weder Eitelkeit noch Herzeleid.

Thérèse von Lisieux

Am 1. Dezember war Kardinal Walter Kasper, ehemaliger Präsident des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen, in Berlin im ökumenischen Zentrum St. Adalbert bei der Gemeinschaft Chemin Neuf. Es war ein interessanter Abend. Er hat viel von dem Weg zur Einheit erzählt, fühlt aber momentan eine gewisse „Winterzeit“, es geht nicht zügig weiter. Spirituelle Ökumene sieht er als aktuell vielversprechenden Weg zur Einheit. Und die Klärung der Frage: Was ist Kirche und worin besteht die Einheit. In der Pause kam er aus irgendeinem Grund auf mich zu. Ich drückte ihm dann einen Zettel mit der Webadresse dieses Blogs in die Hand. Vielleicht hat er ihn schon gelesen?

Gästebuch / Kommentare

5 Jun

Gästebuch und Kommentare

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