5. Juni 2011 Vom Kloster Kreuzberg nach Berlin

5 Jun

Von Gabriele

Es ist Sontag, es ist Sonntagsmesse! Um 7.30 Uhr stehe ich auf der Matte bzw. in der Kirche. Pilger können gut früh aufstehen und so ist es heute auch. Die Nacht habe ich erstmals alleine geschlafen und das sehr gut! Ich freue mich und bin glänzender Laune und genieße die schöne Kirche und diesen bayrischen Gottesdienst. Auch das Frühstück ist wieder so schön wie gestern, auch wenn wir jetzt nur noch zu dritt sind. Ein letztes Mal geht es in die Zimmer, um ein letztes Mal den Rucksack zu packen. Auch ohne Menschen erhalten wir vom Kloster einen Abschiedssegen, den wir gerne annehmen:

Nette Verabschiedung des Klosters Kreuzberg

Kurz nach 9 Uhr machen wir uns auf den Weg.Wir wollen den ersten Bus vom Parkplatz nehmen in Richtung Bischofsheim. Von dort aus geht es dann weiter nach Neustadt an der Saale zum Bahnhof.

Ein letzter Blick zurück aufs Kloster und den noch leeren Biergarten

Der Abstieg zum Parkplatz ist leicht, es geht nun ein wenig bergab. Ganz pünktlich kommt auch unser Bus. Mit dem Hochrhöner fahren wir nach Bischofsheim. Dort angekommen sagt uns der Fahrer: „Steigen Sie mal aus, in einer halben Stunde hole ich Sie wieder ab!“ Ach so, es ist derselbe Bus. Schnell frage ich ihn: „Können wir dann die Rucksäcke hier drin lassen, dann brauchen wir sie nicht schleppen.“ Wir dürfen und springen frei aus dem Bus. Prima, dann haben wir jetzt noch eine halbe Stunde, um uns Bischofsheim anzuschauen. Gott hat noch eine Überraschung für uns bereit. Als wir auf den Ort zugehen, da treffen wir auf ein Schild, was unsere Reise total kennzeichnet:

Wir laden ein; katholisch, evangelisch, orthodox! Ein perfektes Symbol unserer Pilgerwanderung

Wir laufen in das gemütliche Städtchen hinein. Und schon bald entdecken wir orthodoxe Symbole an einer Hauswand und einen kleinen Zwiebelturm. Es war die Orthodoxe Kirchengemeinde St. Nektarios. Die Tür stand offen, wir gingen hinein und die Treppe hinauf.

Die russisch-orthodoxe Kirche St. Nektarios in Bischofsheim

Der Gottesdienst hatte gerade begonnen. Es duftete nach Kerzen.  Und von einem Moment zum anderen verwandelte sich Lesya. Sie legte sich ihr Tuch über den Kopf und die Schultern, so wie es in ihrer Heimat üblich war. Sie war angekommen. Der Gesang war getragen und wunderschön und wir wurden erfasst. Wir verbrachten eine wahrhaft berührende Zeit in dieser kleinen Kirche.

Leider konnten wir nicht bleiben, aber dies als Zeichen hat schon gereicht. Ohne es zu wissen hatten wir auch diesen Ort auf dem Zettel. Unsere Reise hatte hier – in der letzten halben Stunde – seinen noch fehlenden Teil ergänzt bekommen. Etwas, was ich nicht hätte planen und wissen können. Es geschah einfach, wir wurden geführt, Gott hat das Seine zu unserer Reiseplanung dazugegeben. Wir waren zur richtigen Zeit am richtigen Ort, um auch noch einmal an die orthodoxe Kirche erinnert zu werden, dass sie dazu gehört. Um zu zeigen, dass wir vier wirklich mit Bedacht gewählt waren. Lesya und ich haben uns zu einem orthodoxen Gottensdienst in Berlin verabredet, damit wir beide das noch einmal und in ganzer Schönheit und Vollständigkeit erleben können.

Gelobt sein Jesus Christus! (Ikone aus der Kirche in Bischofsheim)

Was ich später herausfand: Auch der Heilige Nektarios von Ägina, dem diese Kirche geweiht ist, hatte ökumenische Gedanken. Er schrieb ein Buch mit dem Titel „Historische Studie über die Ursachen des Schismas von 1054, über die Gründe der Fortdauer und die Möglichkeit oder Unmöglichkeit der Vereinigung der östlichen und der westlichen Kirche“.  Wir waren beseelt und – nun hatten wir fertig. Wir eilten zum Bus zurück und  bald kam er auch – samt unseren Rucksäcken.

An der Bushaltestelle: Lesyas Blick spricht Bände

Über den Rest ist nicht mehr viel zu erzählen. Mit einem Schönes-Wochenende-Ticket fahren wir über  Erfurt und Magdeburg zurück nach Berlin-Alexanderplatz. Ereignisreiche Tage hatten uns still, zufrieden und erfüllt gemacht. Wir waren am „Verdauen“ des Geschehens. Unterwegs gab es noch die letzte Lesung.

EVANGELIUM                                                                             Joh 17, 1-11a

Vater, verherrliche deinen Sohn!

+ Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes

In jener Zeit 1erhob Jesus seine Augen zum Himmel und sprach: Vater, die Stunde ist da. Verherrliche deinen Sohn, damit der Sohn dich verherrlicht. 2Denn du hast ihm Macht über alle Menschen gegeben, damit er allen, die du ihm gegeben hast, ewiges Leben schenkt. 3Das ist das ewige Leben: dich, den einzigen wahren Gott, zu erkennen und Jesus Christus, den du gesandt hast. 4Ich habe dich auf der Erde verherrlicht und das Werk zu Ende geführt, das du mir aufgetragen hast. 5Vater, verherrliche du mich jetzt bei dir mit der Herrlichkeit, die ich bei dir hatte, bevor die Welt war. 6Ich habe deinen Namen den Menschen offenbart, die du mir aus der Welt gegeben hast. Sie gehörten dir, und du hast sie mir gegeben, und sie haben an deinem Wort festgehalten. 7Sie haben jetzt erkannt, dass alles, was du mir gegeben hast, von dir ist. 8Denn die Worte, die du mir gegeben hast, gab ich ihnen, und sie haben sie angenommen. Sie haben wirklich erkannt, dass ich von dir ausgegangen bin, und sie sind zu dem Glauben gekommen, dass du mich gesandt hast. 9Für sie bitte ich; nicht für die Welt bitte ich, sondern für alle, die du mir gegeben hast; denn sie gehören dir. 10Alles, was mein ist, ist dein, und was dein ist, ist mein; in ihnen bin ich verherrlicht. 11aIch bin nicht mehr in der Welt, aber sie sind in der Welt, und ich gehe zu dir.

Lehre des Tages: Was man nicht planen kann, das gibt Gott dazu!

Danke für alles! Gelobt sei Gott der Herr!

 

Nächster Artikel: Was nach der Pilgerreise geschah…

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