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2. Juni 2011 Himmelfahrt! Messe und von Fulda nach Büchenberg

5 Jun

Von Gabriele

Christi Himmelfahrt ist Heute. Was für ein wundervoller Tag. Der Wecker klingelt um 7.30 Uhr, wir haben aber Zeit, da die Messe im Dom erst um 9:30 Uhr beginnt.

Das Leben ist schööön!!!! Unser Leitspruch unterwegs! Auch am frühen Morgen

Renate hat gestern für das Frühstück eingekauft. In der Küchenzeile im Vorraum bereiten wir uns ein hervorragendes Frühstück vor. Im Haus ist schon was los, der Chor probt für den Gottesdienst. Alle wissen, dass wir da sind und es kommt immer wieder jemand vorbei, um ns zu begrüßen. Wir frühstücken im Bastelraum zum Chorgesang. Wir scherzen ein wenig mit der herumstehenden Wodkaflasche über Lesyas wohl russischen Kaffee.

Kaffee mit Wodka :-) Zum Frühstück :-)

Ja wirklich, das Leben ist schön, alle sind begeistert. Nach dem Frühstück beginnt das große Aufräumen, denn wir wollen alles picobello hinterlassen, damit die Leute hier Freude an den Pilgern haben. Abwasch, saubermachen, fegen, die Stühle wieder an den Platz räumen, lüften, Rucksäcke packen. Währenddessen bereitet sich die Dompfarrei auf Himmelfahrt vor. Es soll heute eine Flurprozession geben und vor dem Haus wird ein Fluraltar mit vielen, vielen Blumen aufgebaut. Wir sehen zu, dass wir niemandem groß im Wege rumstehen, bedanken uns nochmals bei den Anwesenden und wünschen einen schönen Himmelfahrtstag. Wir bedanken uns hiermit noch einmal herzlich bei der Dompfarrei, dass sie uns so nett die Räume zur Verfügung gestellt hat. Vergelt’s Gott!

Himmelfahrt 9.15 Uhr: 4 Pilgerinnen brechen dankbar auf

Himmelfahrt 9.15 Uhr: 4 Pilgerinnen brechen dankbar auf

Sehr frühzeitig gehen wir hinüber zum Dom, denn wir wollen gern einen guten Platz haben, von dem man alles sehen kann. Für die Anderen ist es die erste katholische Messe, die sie erleben werden und ich bin neugierig, wie es für sie werden wird. Der barocke Dom ist neben ihrer Funktion als Kathedralkirche des Bistums Fulda gleichzeitig die Grabkirche des Heiligen Bonifatius, dem sogenannten Apostel der Deutschen. Einen virtuellen Rundgang des Domes findet man hier. Vor dem Dom steht eine Tribüne mit einem Altar. Hier wird sicher auch ein Teil der Prozession stattfinden.

Himmelfahrt mit tiefblauem Himmel und Tribüne vor dem Dom

Wir parken unsere Rucksäcke an den großen Säulen und suchen uns einen Platz auf der linken Seite, weil dort eine wunderschöne Herz-Jesu-Statue ist. Ein wenig noch schauen wir uns die gewaltige Innenausstattung an, alles in Weiß und Gold und ein wenig Rot, ein wenig Schwarz.

Der prächtige Altarraum des Doms zu Fulda

Es wird immer voller und die Messe beginnt. Der Einzug ist riesig, da auch ganz viele Erstkommunionskinder und Fahnenträger mitkommen, die hinterher bei der Prozession dabei sein werden. Heute gibt es für meine anderskonfessionellen Mitpilgerinnen eine katholische Messe mit “allen Schikanen”: prächtige Gewänder, Baldachin, Weihrauch, starker Orgelklang, der klasse Chor (den wir ja schon kennengelernt hatten) und der  Bischof Algermissen von Fulda als Hauptzelebrant und Prediger. Viel feierlicher kann ein Gottesdienst kaum sein, dazu die gehobene Stimmung des Himmelfahrtstages, alle waren berührt. Wir wollten uns nicht an der Flurprozession beteiligen, wir hatten ja unsere eigene :-) und ab 12 Uhr noch 20 km auf dem Zettel. Nach dem Gottesdienst konnten wir gar nicht so schnell aufbrechen, weil einige von uns noch sehr mit sich beschäftigt waren nach diesem Gottesfest. Ich war voll Freude, Freude, Freude nach diesem Gottesdienst. Messe ist mir ein echtes Zuhause unterwegs.

3 Pilgerinnen scharen sich um Jesus - Stille und Andacht im Gesicht

Ein gemeinsames Foto vor diesem schönen Jesus scheitert, es wird leider unscharf. Schade! Wir treten aus dem Dom und suchen uns unsere Jakobsmuscheln. Der Weg aus Fulda heraus ist sehr einfach und wunderschön gewählt. Zunächst geht es rechts am Dom vorbei, dann durch eine alte Gasse namens “Tränke” hinaus.

Die "Tränke" mit wundervollen Kletterrosen und malerischen Häusern

Am Ende der Tränke beginnen die Fuldaauen. Hier treffen wir die Flurprozession wieder, die mit Musik und Megaphon-Gebeten die vielen Menschen zusammenhält. Als sie an uns vorbeiziehen, singen sie gerade “Lobet den Herrn”, was wir alle kennen und mitsingen. So sind wir wenigstens ein wenig dabei.

Die Flurprozession in den Fulda-Auen

Vorn die Ministranten, dann ein wenig später die Musiker, dann wieder ein paar Ministranten und unter dem Baldachin der Priester, der die Monstranz trägt. Das muss mit der Zeit schwer sein: warmes Wetter, ein schweres Gewand und die Monstranz, die auf Brusthöhe getragen wird. Aber ich bin sicher, der Herr hilft ihm, so dicht, wie er bei ihm ist.

Der Priester mit der Monstranz

Da wir uns über die Prozession freuen und ihr ein wenig entgegen gehen, um sie noch anzuschauen, achten wir nicht so auf unsere Muscheln – und verlaufen uns prompt. Wir sollen nicht die Fulda-Auen durchqueren, sondern wir werden an ihnen eine Weile entlang laufen, schönste Pilger-Landschaft, die ein paar Meter nach dem Dom anfängt.

Auf Abwegen - im Hintergrund das Ende der Flurprozession

Hinter uns läuft eine Pilgerin und wir denken erst, na, dann sind wir richtig! Aber als wir umkehren und sie treffen, merken wir, dass sie uns nur hinterhergelaufen ist. Wir finden wieder unseren Weg und sie läuft flink mit ihren Trekkingstöcken uns voran. Der Weg ist herrlich – so durch das frische Grün und immer wieder am Wasser lang. Doch es herrscht natürlich Vatertagsstimmung auf dem Jakobsweg: viele Gruppen, viele Fahrräder, Eiswagen, Musik und natürlich einige feuchtfröhliche Herrentagsgruppen.

Blick zurück über die Auen auf den Fuldaer Dom

Wir nähern uns der Propstei St. Johannisberg, wo wir einige Pilgerzeichen entdecken. Hier sieht man auch eine gelb-blaue Jakobsmuschel. Bei meinem ersten Mal auf diesem Weg war ich nicht in Johannesberg gewesen, da ich aus Zeitmangel den Weg von Fulda bis nach Welkers mit dem Bus gefahren war. Wir steigen hinauf, vorbei am Hof der Propstei, wo in einem Biergarten eine ausgelassene Feiertagsstimmung herrscht. Wir laufen vorbei und suchen den Eingang zur Kirche. Durch einen schmalen Gang von der Kopfseite her ist das möglich. Drin ist es schön kühl. Ein beeindruckender Altar, ein stilles Gebet. Wir sind unterwegs…

Die gelb-blaue Muschel vom Jakobusverein Franken

Nach der Kirche sehen wir gegenüber wieder die gelb-blaue Muschel – und folgen ihr. Wir kommen an einer Mariengrotte vorbei und halten auch hier ein wenig an. Ich kann da schlecht vorbeigehen – doch lange verweilen möchte ich nicht, denn unser Weg ist noch weit und wir haben noch einen für mich wichtigen Programm-Punkt vor uns, die Rosenkranztreppe am Steinhauck. Doch es ist schwer, alle hier loszueisen. Wir treffen hier auch die Pilgerin von vorhin wieder. Monika spricht sie an und beide laufen gemeinsam los. Schön! So geht es vorwärts. Nach Johannesberg geht es aus der Stadt heraus und der Weg steigt an. Es geht auf den Wald zu, Fulda liegt bald in der Distanz hinter und unter uns.

Monika und Beate laufen vorneweg...

...Lesya und Renate hinterher... im Hintergrund Fulda

Besonders Renate macht der Weg wieder zu schaffen. Die Wärme und ihre Füße…und sie hat eine solch empfindliche Haut, dass sie direkte Sonnenbestrahlung darauf nicht vertragen kann. Ich habe ihr daher meine Spanienerprobte Funktionsjacke geliehen, mit der ich bei 40 Grad auf dem Camino Catalán unterwegs war. Sie muss in voller Montur laufen, während alle anderen sich inzwischen kurzärmelig und mit kurzen Hosen unterwegs sind. Lesya hilft ihr ein wenig:

Mit Anschub den Berg hinauf!

Haben wir mal wieder wundersame Wegvermehrung? Auch im Wald geht es immer weiter bergauf. Nach meiner Weginformation müssten wir nach 4 km in Eichenzell sein, aber das zieht sich hier hin. Irgendwann packt Beate ihre Karte aus. Nach den Hinweisschildern sind wir völlig falsch. Und da stellt sich unser fataler Irrtum heraus. Wir sind den falschen Muscheln gefolgt. Wir sind gerade unterwegs in Richtung Westen auf dem Jakobsweg in Richtung Frankfurt. Sowohl Beate wie ich – beide sind wir erfahrene Pilgerinnen -haben uns die bekannten Zeichen einfach für die unsrigen gehalten, statt weiter die blau-weißen Muscheln zu suchen!? In Johannesberg an der Propstei müssen wir falsch abgebogen sein. Das gibt mir zu denken! Vielleicht ist das auch ein Hinweis: Aus Gewohnheit orientieren sich gerade die Erfahrenen an bekannten Zeichen, statt auf das, was aktuell und wissentlich das Zeichen ist.  Fällt jemandem dazu etwas ein? Was kann uns das zur Ökumene sagen?

Ein paar Vatertagsradler kommen vorbei und orientieren uns. Wir müssen einfach jetzt links in Richtung Südosten abbiegen, um dann wieder nach Rothemann zu kommen. Als erstes durchqueren wir ein kleines Dorf. Dort fragen wir an einem Haus eine Frau nach Wasser. Die ersten beiden von uns erhalten ihre Flasche mit Leitungswasser gefüllt, die anderen nicht mehr, das ist ihr zuviel. Auch Wegeauskunft kann sie uns nicht weiter geben. Wir laufen ein wenig weiter und an einem anderen Haus – zum Glück – erhalten auch die Anderen frisches Wasser. An der kleinen Kirche pausieren wir, es ist jetzt schon 15 Uhr. Mist, so spät schon! Zwei Stunden haben wir gebraucht. Aber egal, wir holen jetzt die Pizzareste von gestern heraus und stärken uns erstmal. Das tut richtig gut! Beate bleibt jetzt bei uns und auch wir kommen ins Gespräch. Sie ist auch schon häufig auf dem Jakobsweg gepilgert, vor allem in Frankreich. Sie ist heute losgelaufen und ihr heutiges Ziel ist eine Pension ein Döllbach. Sie hat es sogar noch weiter als wir.

Die Leute am 2. Haus haben uns einen guten Rat gegeben, wie wir weiterkommen und wir laufen nun weiter in Richtung Hattenhof. Von dort aus ist es nicht weit bis nach Rothemann und dort werden wir wieder auf den Weg nach Büchenberg kommen. Und von Rothemann kann man auch noch zum Steinhauck zur Rosenkranztreppe aufsteigen. Das heißt allerdings, dass wir jetzt zügig voranlaufen müssen…was nicht geht. Sowohl Renate wie auch Monika kommen nur noch schlecht voran. In Hattenhof entdecken wir, dass man vor dort aus auch direkt nach Büchenberg laufen und so drei Kilometer einsparen kann. Renate will keine drei Kilometer Umweg für eine Rosenkranztreppe laufen, sie will nur noch ankommen. Ich muss meine Idee vom Steinhauck und meinem gelaufenen Himmelfahrtsrosenkranz fahren lassen. Sehr schade, das war mir sehr wichtig gewesen.

Kurz hinter Hattenhof gibt es einen Wegweiser, den man unterwegs mal einfach nur umtreten möchte. Der Weg nach Büchenberg zeigt mitten auf die Wiese, man kann nicht feststellen, ob der Weg nach links oder rechts gemeint ist, der nun nach Büchenberg führt. Rechts kann eigentlich nicht sein, denn das ist die Richtung nach Rothemann. Wir entscheiden uns für links und schon nach kurzer Zeit geht es bergan. Nun, das kann sein, denn unser heutiges Ziel heißt Büchenberg, und das liegt auf dem Berg. Nach einiger Zeit kommt uns eine Frau mit Hund entgegen. Ein Wegeengel – super! Und so begrüße ich sie auch: “Auf Sie habe ich die ganze Zeit gewartet!” Sie lacht und muss uns trotzdem enttäuschen. Nein, wie sind nicht in Richtung Büchenberg unterwegs, sondern fast wieder in Richtung des anderen Jakobsweges, den wir vorhin verlassen haben. In ihrer Begleitung laufen wir den Anstieg wieder hinunter. Währenddessen telefoniert sie mit ihrer Mutter und dann passiert ein neues Wunder, vor allem für unsere Fußlahmen. Die Mutti will mit dem Auto kommen, sobald wir wieder unten an der Straße sind.

An dem trügerischen Wegweiser angekommen erfahren wir, dass wir tatsächlich nach links hätten abbiegen müssen und viel weiter hinten wieder nach rechts, so dass wir, hätten wir diagonal da entlang gehen können, den Wegweiser schon in der richtigen Richtung hatten. Wer soll das ahnen, wer soll das wissen? Aber das ist jetzt auch Vergangenheit, denn Mutti kommt und nimmt erstmal vier von uns mit. Ich bleibe mit der Frau auf der Straße und wir laufen gemeinsam mit dem Hund in Richtung Büchenberg weiter. Kurz darauf kommt die Mutti wieder und holt auch uns beide ab und bringt uns zum Bürgerhaus in Büchenberg, wo wir diese Nacht verbringen werden. Beate ist schon in Richtung Döllbach weitergelaufen. Das Haus ist offen und wir gehen erstmal rein und setzen uns hin. Eine große Mehrzweckhalle für Sport und mit Bühne, Duschen und Toiletten sind erstmal zu sehen. Das wichtigste geht, vor allem aber sind wir angekommen! GottseiDank!

Bald kommt eine Frau vor und stellt sich als Hannelore vor. Sie bezeichnete sich als die Küsterin des Bürgerhauses – ein Titel, den sie von einem Kind erhalten hatte und der wunderbar ihre Funktion beschreibt – und weist uns ein. Wir werden in einem schönen Raum im Obergeschoss schlafen und können Duschen und Toiletten unten benutzen. Wir fragten Hannelore, ob es in Büchenberg oder Umgebung ein Taxiunternehmen gab, da Renate auch für den morgigen Tag Unterstützung brauchte. Das mit den Blasen hörte nicht auf. Es sollte ja zudem auf den 900 m hohen Kreuzberg gehen! Sie würde später noch einmal zurückkommen und uns Bescheid geben. Dann zeigt sie uns die Küche und was die Büchenberger Frauen für uns vorbereitet hatten.

Auch in Büchenberg hat es eine Flurprozession gegeben. Und wie es im Fuldaer Land so Sitte am Himmelfahrtstag ist, gab es Flädlesuppe und Flurgönder (hier ist auch ein Bild). Das mag dem einen oder anderen nicht viel sagen, aber nach einem anstrengenden Pilgertag ist so etwas ein Wunderwerk menschlicher Kochkunst und GENAU das Richtige. Es waren, wie es aussah, selbstgemachte viereckige Nudeln in einer kräftigen Brühe mit einer Football-großen Wurst. Der Flurgönder ist eine sehr deftige Wurst in einem Schwartenmagen. Wir durften uns auch an den übrig gebliebenen Getränken bedienen. Es war ein Fest, ein wirkliches Fest! Wir aßen gleich in der Küche, um so wenig wie möglich Aufwand zu betreiben und in der Küche ist es sowieso immer gemütlich, es schien sogar noch die Sonne hinein. Die Büchenberger Frauen hatten auch für uns zum Frühstück reichlich eingekauft.

Ich habe zwischendurch ein wenig Zeit zum Lesen in der Sonne hinterm Haus. Ich hole mir das Heftchen der Bekennenden Kirche vor. Ein Artikel fällt mir sofort ins Auge, er heißt: Die (Heils-)Notwendigkeit der Kirche [Gemeinde]: römisch oder reformatorisch. Wechselweise stimme ich zu oder ich protestiere. Schon auf der 1. Seite stoße ich auf den Satz: “extra ecclesiam salus non est” -”Außerhalb der Kirche ist kein Heil” des Kirchenvaters Cyprian, um 200 Bischof in Karthago. Soviel Zufall kann doch gar nicht sein! Daher habe ich es also in Eisenach mitgenommen. Und: Ach herrje! In was für ein Nest setze ich mich denn nun gerade mit dem Satz, den ich in Luthers Schreibstube empfangen habe?

Nun, ich denke: Die Kirche ist der Ort, an dem wir Sakramente erhalten, Zeit für das Wort haben, für das Leben lernen, motiviert werden und Gemeinschaft finden. Doch Heil entsteht dann, wenn wir das, was wir dort aus der Lehre Jesu gelernt haben, im Leben direkt umsetzen. So war das nach meinem 1. Camino im Jahr 2007. Der Leiter des Pilgerbüros sagte uns bei der abendlichen Pilgerandacht über das spezielle Chrismon an der Westfassade der Kathedrale von Santiago, bei dem das Omega links und das Alpha rechts steht: “Ihr seid nun in Santiago angekommen, am Ende Eurer Reise. Eure Aufgabe ist es jetzt, im Alltag wieder anzukommen und dort das umzusetzen, was ihr auf dem Weg erfahren und gelernt habt. Vom Ende (Omega – das heißt auch “Der Große, Gott”) wieder zu einem echten Neuanfang im Leben kommen. Erst dann ist Euer Camino zuende.” Es wirklich tun! Im Alltag Jesu Nachfolge, das höchste Gesetz leben – so verstehe ich: Im Leben (=Umsetzen) ist das Heil. Und so habe ich es auch erfahren.

Und dann komme ich in Gedanken wieder auf das Thema Ehe und Einheit der Kirche. Die Gemeinschaft der Kirche dürfte auch nicht auflöslich sein. Sowenig es im Katholischen eine Ehescheidung geben darf, sowenig darf man sich auch von seinen Brüdern trennen, sie exkommunizieren und so von Jesus trennen. Die Kirche macht es selbst nicht, was sie von den Ehepaaren verlangt. Und sie schafft es seit nunmehr fast 500 Jahren nicht, sich zu versöhnen. Dabei müsste doch Mt 5,23-24 gelten: “Wenn du deine Opfergabe zum Altar bringst und dir dabei einfällt, dass dein Bruder etwas gegen dich hat, so lass deine Gabe dort vor dem Altar liegen; geh und versöhne dich zuerst mit deinem Bruder, dann komm und opfere deine Gabe.” Kann sich die Kirche noch als eingesetzt betrachten und die Welt Jesus als von Gott gesandt, wenn seine Kirche so unglaublich uneins ist, dass sie sich in dieser langen Zeit nicht wiedervereinigen kann? Was haben wir denn gekonnt, wenn wir Frieden und Vergebung predigen, er aber noch nicht mal im eigenen Haus umgesetzt wird?

Ich möchte mal ein Bild – aus dem Leben – zeichnen, das mir einfiel: Stellt Euch mal vor, Ihr feiert Hochzeit. Und Eure Freunde und Familie sind in mindestens drei Lager aufgeteilt und weigern sich, Eure Hochzeit gemeinsam mit Euch zu feiern, wenn sie dabei mit den anderen zusammenfeiern müssen. Ihr selbst habt sie aber alle gleich lieb, wollt keinen einzelnen von ihnen missen. Unendlich lange müsst ihr Euch das Gezicke anhören: “Mit denen setze ich mich nicht an einen Tisch!” “Nee, so wie die sind und denken, das geht gar nicht!” Euch ist es jetzt nicht völlig egal, wie jeder denkt. Ihr hättet sie halt einfach gern alle dabei, wünschtet Euch nur, sie würden Frieden untereinander halten. Wie würde es Euch dann gehen? Hättet Ihr noch Lust zum Feiern? Was sollte man tun? Das Hochzeits-Mahl aufteilen? Drei Hochzeiten feiern?

Im Leben ist das Heil – bei uns vieren! Wir leben hier Ökumene pur. Wir essen zusammen. Wir beten zusammen. Wir schlafen zusammen. Wir pilgern zusammen. Wir halten zusammen Gottesdienst. Wir sind dankbar für all die guten Menschen, denen wir begegnen, und das hat sich bei den Konfessionen nichts genommen. Wir freuen uns in Jesus Christus. Wir sind von Gott gesegnet und beschütz, in Ihm geborgen. Wie man sieht, bringt es Heil! :-) Ist es nicht das, was zählt?

Hannelore kam später noch einmal wieder. Sie bot Renate an, sie selbst zum Kreuzberg zu bringen. Noch mehr Engel! Dann würde Renate mit den Rucksäcken zum Kreuzberg fahren und wir würden erleichtert uns am nächsten Tag auf den Weg machen. Wir sammelten alle zusammen, damit wir der Gemeinde für all die guten Taten eine Spende hinterlassen konnten.

Ich musste doch noch dem Jakobus aka Santiago in Büchenberg einen Besuch abstatten und mich für die tolle Aufnahme hier bedanken!

Nach dem Essen flitzte ich dann zur Kirche, damit wir noch unsere Stempel für unsere Pilgerpässe erhielten, denn dies hier war eine Jakobuskirche. In der Kirche, es war kurz vor sechs Uhr, traf ich die Küsterin der Kirche. Wir kamen in ein sehr schönes Gespräch. Sie selbst bezeichnete sich als eine einfache Frau, die aber – verwitwet – mit diesem einfachen Leben sehr zufrieden war. Sie war immer gern in der Kirche und hatte durch ihre Arbeit eine sehr, sehr persönliche, tiefe  Beziehung mit Jesus im Tabernakel entwickelt, was ihr Halt, Quell der Freude und Zufriedenheit war. Wir unterhielten uns noch lange, ein ganz lieber Mensch! Das gehört für mich zu den schönsten Erlebnissen des Pilgerns: Mit den Menschen vor Ort ins Gespräch kommen und die ganz persönlichen Glaubenserlebnisse miteinander teilen und zu fühlen, wie ganz normale Menschen tief und zufrieden im Glauben leben.

Mit meinen Flip-Flops flitzte ich wieder zum Bürgerhaus zurück. Da hielt auf der Straße ein Auto an. Eine Frau fragte, ob ich eine der Pilgerinnen war. Nun traf ich auf Frau Goldbach, die Pfarrsekretärin, mit der ich diese Übernachtung ausgemacht hatte. Auch mit ihr führte ich auf der Straße lange ein so nettes, herzliches Gespräch. Ich konnte mich bei ihr gleich für die warmherzige Aufnahme in Büchenberg bedanken und erzählte ihr, wie uns die Frauen von Büchenberg so wunderbar geholfen hatten und was uns alles an Wundern passiert war.

Also: Ein riesiges Lob für die Büchenberger Frauen! Die vier Pilgerinnen danken von ganzem Herzen. Wir haben auf dem Rest der Reise mit sehr vielen guten Gedanken für Sie alle gebetet.

Heute war die zweite Nacht auf dem Fußboden angesagt und wir packten wieder Schlafsäcke aus und pusteten die Matten auf, damit wir es in der Nacht bequem hätten.

Hier kamen wir sehr gemütlich in Büchenberg unter

Da die Rosenkranztreppe am Steinhauck dem Verlaufen zum Opfer gefallen war, beteten wir an diesem Abend den Rosenkranz mit speziellen Geheimnissen zur Einheit, die ich für diese Reise zusammengestellt hatte und so auch schon als Novene zur Vorbereitung auf unsere Pilgerweg hin gebetet hatte. Er machte uns still und friedlich. Zum Abschluss gab es noch die Lesung des Tages mit Jesus großem Versprechen: Ich bin bei Euch alle Tage. Heute war das auf diesem Berg hier ganz deutlich gewesen!

EVANGELIUM                                                                              Mt 28, 16-20

Mir ist alle Macht gegeben im Himmel und auf der Erde

Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus

In jener Zeit 16gingen die elf Jünger nach Galiläa auf den Berg, den Jesus ihnen genannt hatte. 17Und als sie Jesus sahen, fielen sie vor ihm nieder. Einige aber hatten Zweifel. 18Da trat Jesus auf sie zu und sagte zu ihnen: Mir ist alle Macht gegeben im Himmel und auf der Erde. 19Darum geht zu allen Völkern, und macht alle Menschen zu meinen Jüngern; tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes,20und lehrt sie, alles zu befolgen, was ich euch geboten habe. Seid gewiss: Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt.

Lehre des Tages: Liebgewonnene Gewohnheit bestimmter Zeichen kann gerade Erfahrene vom Weg abbringen, wenn sie nicht aufmerksam in der Gegenwart sind und auf die Zeichen der Zeit achten. Doch der Herr ist bei uns alle Tage und hilft uns z.B. mit Hilfe lieber Menschen auf den Weg zurück.

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